"... Hitlers erfuhr, war es eine dieser Nachrichten, die man mit einer Mischung aus Bezuglosigkeit und Unberührtheit aufnimmt. -Hast Du schon gehört? Hitler ist tot.- Hitler ist tot, in Ordnung. - ich nahm diese Nachricht hin, so wie man es hinnimmt, wenn ein Mensch gestorben ist, zu dem man keinerlei Bindungen hatte. Doch fühlte ich mich zum ersten Male seit den letzten Jahren, wieder frei. Als deutscher Kriegsgefangener unter dem 'Feinde', doch ich fühlte mich befreit."
Waren die Worte meines Urgroßvaters, laut meines Großvaters. Ich nahm diese Worte in mich auf, ohne wirklich zu begreifen, was sie bedeuteten, oder welche erschütternde Wahrheit sie beherbergten. Sich freier fühlen zu können, umgeben vom allgegenwärtigen, willkürlichen Tod, dem Hass, umgeben von Feinden, in Gefangenschaft und ohne Gewissheit, als unter dem Regime eines einzigen Mannes. Das soetwas möglich sein konnte erscheint mir befremdlich und ich werde es niemals nachvollziehen können, ich hoffe, es niemals nachvollziehen zu müssen.
Meine Großmutter sagte einmal , der Mensch sei wie ein Schwamm, der alles in sich aufsaugt, die guten Dinge leider meist doch weniger als die schlechten Dinge, Überzeugungen oder Ansichten und Wasser allein reiche nicht aus, ihn reinzuwaschen. Was die guten Überzeugungen anginge, die Angst vor dem Schlechten würde es schon besorgen. Nur wenige zumindest, trotzen der Angst und bewahren sich ein gutes Herz. Es ist bewundernswert, wieviel Mut solche Menschen aufbringen, wieviel Verzicht und Aufopferung für das Richtige, selbst mit dem Tod auf den Versen. Und es ist bedauernswert zu sehen, wie der Mensch trotz besseren Wissens genauso eine tödliche Gefahr für seine Mitmenschen, Familie, Freunde und letztlich für sich selbst darstellen kann. Es ist erschütternd zu sehen, dass wir so wenig Respekt für das Leben aufbringen können, ohne welches wir schlichtweg nicht existieren würden und damit alles Erlebte, Schöne, Reizvolle, jedes Gefühl, jeder Moment des Glücks, jeglicher Sinn.
Der Mensch ist nicht von Grund auf schlecht, doch es scheint, als täte er nicht wenig, um jegliches, positives Gefühl in ihm im Keim zu ersticken, da es schwieriger ist Mitgefühl zu bekennen, in einer Welt, in der sich jeder selbst der Nächste ist und in der man zu schnell in die Schußlinie gerät. Als würde der Mensch sich selbst sowenig lieben, dass er nicht in der Lage ist, andere zu lieben. Oder er liebt sich selbst so sehr, dass keine Liebe für die Anderen übrig bleibt- Liebe als Pseudonym.
Es gibt wenige Menschen, die trotz aller Fehler ehrbar sind, dem Schlechten trotzen und damit etwas zum Positiven verändern. Es sind mehr, als man denken könnte, doch es herrscht keine Waffengleicheit in einem Krieg. Dennoch kommt es auf jeden Einzelnen von ihnen an. Mein Großvater sagte, Ehrbarkeit bedeutet, sich für die Schwachen einzusetzen, nicht sie niederzutrampeln. Das bedeutet wahre Größe, mein Schatz, wer nach einem schwierigen Weg das Ziel erreicht ist stolzer, als jemand, der nie versucht hat, es zu erreichen. Und ist stolzer, als jemand, dem alles in den Schoß fällt. Darin besteht wahres Können. Ja, man muss Mensch sein können.
Es ist traurig, in welchem Zustand sich die Welt befindet. Es macht krank zu sehen, mit welcher Mißachtung wir an Andere herantreten, selbst dann, wenn wir sie nicht kennen. Es ist beschreibend für uns: Was wir nicht kennen, akzeptieren wir nicht, was fremd ist, verachten wir, wir fürchten uns vor Unbekanntem, denn wir fürchten uns vor uns selbst. Wie kann es sonst möglich sein, dass wir uns gegenseitig angreifen, attackieren, umbringen?
Mensch zu sein ist ein Privileg, sagt man. Doch bei genauerer Betrachtung beinhaltet es nicht viel anderes als Hass, Grausamkeit und Unwissen. Fügt jemand einem anderen Lebewesen Gewalt zu, dann sagen wir, es sei 'unmenschlich'. Doch in unserer traurigen Realität machen genau diese Dinge die "Menschlichkeit" aus.
Ich werde niemals verstehen, was es bedeutet, wenn für Liebe kein Platz da ist. Ich möchte mich niemals in Gefangenschaft frei fühlen müssen, weil es keine besseren Optionen gibt. Besser man geht mit offenem Herzen durch's Leben, denn ohne Liebe ist es nichts wert, aber ich bin auch nur ein Mensch.
Lizzy
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