Mittwoch, 25. August 2010

Lustlettern

In deinen Rücken werd' ich graben.

Lettern

meiner Nägel.
dich spüren lassen

süße Qual.
lustvoller Verse.

Atme
heiße Worte
fremder Herkunft.

doch. um. mich. zu
entziffern
brauchst Du
nichts
als
den heißen
Tastsinn.
deiner Finger.
_


Wir werden

unsere Sprache
vergessen.

Uns
auf eigene Weise
verstehen.

weder
Stunden
noch Tage

halten uns

gefangen.


Hineingestoßen

in die warme Nässe

vereintem
Atems
verstecken
wir
uns im Nebeln
vor der Zeit. ...


Bis wir
wie Bomben
explodieren.

und sterben.

im Mondsplitterhagel...


(Lizzy, HvidLiljer)

Mir fehlt das Geheimnisvolle



Ich kann seine Gedanken lesen. Richtiges Gedankenlesen, wie im Kino. Es ist so einfach bei ihm. Er hat so klare Gedanken – so einfach.

Alles ist einfach bei ihm.
Ich frage ihn, wie es ihm geht, er denkt „gut“, er sagt „gut“. Ich frage „wie war dein Tag“, er denkt „geht so“, er sagt „geht so“. „Möchtest du etwas Besonderes zu essen heute?“ – „Nein“, „Nein“. Liebst du mich? – „Ja“, „ja“. Doch ich bekomme nicht mit was er fühlt.
Ich sehe ihn minutenlang voller Sehnsucht aus dem Küchenfenster starren, während er seinen Tee in seinen Händen erkalten lässt, und frage ihn, ob er etwas vermisst. „Nein“, und genau das denkt er auch. Aber ich kann sehen, daß es ein Loch in ihm gibt, dafür brauche ich meine Fähigkeit nicht. Er weiß übrigens nichts von ihr.
Ich wollte es ihm erst sagen, versuchte einen passenden Moment zu finden, doch ich wusste, daß dann seine Gedanken nicht mehr die seinen wären. Er würde denken, was ich hören will – was er meint denken zu müssen. Und ich wartete auch auf etwas Neues in ihm, von dem ich nichts weiß. Jetzt weiß ich mehr, als mir vielleicht lieb ist.
Ich weiß, daß seine innere Stimme stumm geworden ist. Es gibt nicht das Teufelchen und das Engelchen, das so klischeehaft wie ein Abziehbild an unseren Gedanken klebt. Auch dieses innere Kind - es bleibt zuhause und kommt nicht mehr zum Spielen heraus. Er war stumm geworden. Viel stummer als jemand, dessen Stimmbänder nicht mehr vibrierten. Ich bin mir sicher, daß Blinde Dinge im Kopf sehen, Taube sich Geräusche vorstellen, aber er funktioniert nur noch.
Einmal frug ich ihn, was er denkt. Da wühlten sich dutzende Gedanken durch seinen Kopf, zu viele, als daß ich sie verstanden hätte. Er frug sich, was ich damit wollte und ratterte wohl eine Liste herab, um dessen passendste Antwort zu finden. „An nichts Besonderes“ – das dachte er nicht einmal, er sagte es einfach. Standardantwort 3.

Warum ich immer noch mit ihm zusammen bin? Er ist gut zu mir. Er lügt mich nicht an und er ist für mich da. Er denkt auch öfter an mich; er sagt zwar wenig darüber, aber manchmal denkt er an mich. Und wenn wir nicht gestritten haben (ich wollte nicht den Eindruck erwecken, als käme alles von ihm), fallen ihm Sachen über mich ein, die mich erröten.
Was ich denn habe, fragt er mich dann immer. Dann wäre ich froh, wüsste ich nicht was er denkt, mir fehlt das Geheimnisvolle.

Er ist wie ein Haus, wie ein altes Haus. Und ich bin seine letzte tragende Wand.

(Text: Angelus. Hörtext Lizzy/HvidLiljer)

Dienstag, 24. August 2010

Dollhouse

süss wie sie tanzen wenn du die
fäden ziehst und sie nichtmal die
augen verdrehen mit ihren zöpfen
auf den köpfen aus holz in denen
der wurm drin ist doch ich bin dein
clown in der box öffnest du die klappe
spring ich statt in federn in dein gesicht
ist besser als nen strick im Genick und
ein herz das bricht

(c HvidLiljer, Lizzy)

Montag, 23. August 2010

Erst funkt's dann knallt's

Erst funkt's dann knallt's
und wir erleben ein Donnerwetter
Deine Augen schiessen Blitze und
mir brennt 'ne Sicherung durch

Ich weiß nicht,

aber wenn du mich jetzt ansiehst
mit diesem Blick der sich senkt
wie eine Hand auf mein Gesicht
bist du wie Starkregen der
auf mich einprasselt und
nichts stehen lässt bis mir
die Decke auf den Kopf fällt
und kein Auge trocken bleibt.

Doch wenn der Regen verebbt und
die Sonne wieder scheint
ist dein Lächeln wie der Bogen
am Himmel und
am Ende gold wert.

(Text HvidLiljer, Lizzy)

Can't believe you're gone




die letzte Umarmung ist
ein Versprechen dass unsere
Hände nicht halten können
eine Berührung
verharrt an den Fingerspitzen
für einen Augen
blick der auf die Knie
sinkt wie ich
lautlos
das Geräusch deiner Schritte
auf dem Asphalt die
sich entfernen
von mir

stück

für

stück

verschluckt dich die Dunkelheit
vor meinen Augen die nicht
glauben was sie sehen wenn
du dich jetzt nicht umdrehst
um mich anzuschauen
ist es

vorbei.


(Text, Bild: HvidLiljer, Lizzy)