Mittwoch, 10. Juni 2009

Musik ist gut, sie sagt einem, was man denken soll

Ich weiß gar nicht, welchen Sinn es hat einen Brief zu schreiben, der nie abgeschickt wird. Sicherlich werde ich einen, aber eben nicht diesen Brief abschicken. Ich werde ihn noch mal schreiben, und dabei so sehr ändern, daß nicht mehr viel übrig bleibt. Von dem, was ich zwar sagen, du aber nicht hören willst, Der zweite Brief wird soviel Make up bekommen, daß er zwar schön, aber eben nicht echt ist.
Vielleicht ist es gut, daß ich nicht jeder Laune ungefiltert nachgehe. Klar sollte man auf sich selbst hören, nur eben nicht ohne Filter. Einen guten, der nicht verstaubt, sodaß nichts mehr durchkommt. Meiner aber war staubig. Als ich mit dem Rad zu den Treppen am Schwimmbad fuhr. Ich stellte mir vor, wie es wäre einfach nicht zu bremsen und hinunter zu fahren. Genau, mein Rad; das, das schon nach der ersten Stufe auseinander fallen würde. Ich sah mich halb aus der Ich-Perspektive und halb von außen. Sah, wie das Rad auseinander und ich auf die Treppen fiel. Ich hatte keine Angst, jedenfalls keine, die mich anschrie, mehr sagte sie etwas wie „Lass´ das mal lieber“, ganz sachlich. Dann lag ich unten, auch sachlich, keine Schreie. Hier und da Hämatome (was man nicht alles bei Emergency Room lernt), etwas Blut, nichts wirklich Schlimmes.
Doch die Filmvorführung in meinem Kopf endete einen Meter vor den Stufen, und so gab es außer dieser Sneak Preview keine weitere Aufführung – wenn auch das Bremsen komplett von meinem Kopf ausging. Der Rest hätte schon gerne diese Abwechslung erlebt.
Ich will schreiben und kann nicht. Ideen habe ich genug. Nur mein allgemeines Problem weitet sich aus. Mir fehlt der Elan. Wobei das irgendwie nicht wirklich passt. Mit fehlt der Sinn. Körperpflege betreibe (ich empfinde es wirklich wie in einem Betrieb) wie es normal ist, ziehe mich ok an, aber ich weiß nicht wofür. Sicher, Peinlichkeiten ertragen will ich nicht, aber für wen ich es wirklich mache weiß ich eben auch nicht.
Ich könnte das Zeichnen anfangen, oder Malen. Aber für wen? Für mich nicht. Der Zug ist längst durch den Bahnhof gerauscht. Zumal mein Talent bescheiden ist. Ich will keine Grundlagen lernen, ich will mich nur an die Spitze heran arbeiten. Ich bin zu alt für einen Anfang. So geht es mir mit vielem. Ich könnte.
Ich würde mich gerne operieren. Nur den Kopf. Raus mit dem ganzen Müll und rein mit Schaltzentralen für Antrieb, Motivation, Können. Vielleicht den Speicher löschen, nur die Erinnerungen – nicht viel Arbeit. Wahrscheinlich wäre es besser, wüsste ich nicht, wer ich bin. „Sei einfach du selbst!“ – so ein Scheiß. Ich war ich selbst, und sie, wo ich jetzt bin. Ich selbst zu sein, das „ich“ in „mich“ zu zeigen, brachte mir nie etwas Gutes ein. Ich bin bei jedem anders, stelle mich ein, was Ausdruck anbetrifft, die Gedanken, den Humor. Mein „Talent“, ich kann (mich) gut adaptieren. Teils sind es nur subtile Unterschiede, wie ich bin.
Das lässt mich aber nicht darüber nachdenken, wer ich wirklich bin. Ich denken nicht gerne über mich nach, ich finde nicht viel Gutes. Klar gibt es da etwas, aber das ist eben nur etwas. Vielleicht das etwas, das mich die Klippe noch von oben sehen lässt, aber eben auch nur das etwas, das mich nicht mit einem Ford Mustang zufrieden dort lang fahren lässt.
Beim Schreiben also will ich, aber ich kann nicht. Ich bin wie ein Motor, der auf Hochtouren läuft. Im Leerlauf. Und sobald ich einen Gang einlege, säuft er ab. Ich sehe überall Ideen, Leute, die sich gut machen würden in texten, aber dabei bleibt es. Zumal ich auch früher fast nie Gesehenes verarbeitete. Ich will in meinen Texten weg von mir und meinem so genannten Leben. Das muss ich nicht auch noch in meinen Texten haben. Ich will mich nicht analysieren. Ich weiß, was alles falsch ist an mir und in mir und meist auch warum. Das Problem kennen heißt nicht eine passende Lösung zu haben. Eine, die zu mir passt, nicht zum Problem. Ich weiß, was sich ändern müsste. Du kannst einem Einbeinigen gute Ratschläge geben, das Bein wird nicht nachwachsen. Er kann eine Prothese bekommen, das ist sein Vorteil. Ich will eine Prothese für mein Herz. Schön zurecht gemacht.
Musik ist gut, sie ist laut. Selbst, wenn sie leise läuft. Sie sagt einem, was man denken soll. Fernsehen ist noch besser.
Die Menschen in Äthiopien haben es gut, sie schaffen es Diät zu halten. Daran denke ich, wenn du mir sagst, daß ich es gut habe, ohne Herz-Kram. Ein festes Glück ist besser als ein weiches Etwas, ein weiches Etwas ist besser als ein klares Nichts. Alles ist besser als meins.

Gibbons erzählt mir von Träumen.
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Ein Haufen Müll
Text:naseweiß & mondgebraeunt, von ©©© A.