Montag, 25. August 2008

leg' mein herz auf deins & es schlägt, mich wund



und ich erschein im falschen licht
schein ich verstehe die welt er
scheint falsch und die sonne fliesst kalt
blütig durch jalousien zieht furchen ich glüh
auf körper wie alte wunden die sich öffnen
sich herzen die kalten und lippen
bekenntnisse auf bebender erde die er
zittern lässt wie die flasche wasser am kopf
ende hätt ich fast an liebe geglaubt


Text:naseweiß & mondgebraeunt von © Lizzy (HvidLiljer); Photos:©Lizzy (HvidLiljer)

Freitag, 22. August 2008

Eine Liebe wie im Film, schmeckt nicht gibt's nicht, oder:Liebe geht durch den Magen




es gibt die liebe wie im film
vorführung halbgarer schau
spielerei bei kerzenlicht und
er krümelte ihr einen strand
weiss aus brot auf das tisch tuch
fühlung schon beim abend
essen bekam er übelste
kritiken rote karte und das meer
passte in ein weinglas als der film
riss ihn aus illusionen unter
gebuttert schmeckt nicht
gibts nicht noch nach
schlag in den magen
bitter süsse schokolade
zum frühstück bei tiffany
blieb er nicht

Text: naseweiß & mondgebraeunt von ©Lizzy (HvidLiljer); Photo von ©Lizzy (HvidLiljer)

Island, ein Aquarell



Prismen gebrochenes Sonnenlicht,
Der Himmel grüßt Kristall,
Regen über Island.
Aquarellierendes Wasser.
Radierung eines milden Nachmittags
und
Moosgrün entflammt in Feuchtigkeit,
Vìk im Dunst himmlischer Wasserfarbe
die dicke Wolken malt
und den Regenbogen meiner Hoffnung.


Èg elska þig
geliebte Heimat.




Text:naseweiß & mondgebraeunt von © Lizzy (HvidLiljer) für Tryggvì, Gelesen von Lizzy

Wellenbrecher (geh' nicht unter...)





Mach keine welle wir saßen nie im selben boot ich
bin jetzt dein brecher keine rettung in der not warst du
der fels und ich die brandung die mich brach doch du wolltest meer
salzige küsse auf meiner haut wolltest es treiben und ich trieb hinab
im grunde versunken in scham los
über bord geschmissene schiffbrüchige
hab genug geschluckt blut ist dicker als wasser in den Lungen flügel
gespannt setze ich die segel masten stürzen hinunter so ist das jetzt
ich tauche auf und du gehst unter


Text: naseweiß & mondgebräunt - von Lizzy; Photo: © Lizzy (HvidLiljer)
Gelesen von Lizzy.


Summertime/ Mondflüstern

.
Es waren die letzten Sonnenstrahlen des Sommers, die in Deinen Augen aufflammten, wie ein Versprechen. Du wirst keinen Augenblick vergessen.




Ich erinnere mich der Liebe. An die Zeit, in der mir nichts unmöglich erschien, nichts unerreichbar. Als ich mit dem Feuer spielte, dachte, mich niemals verbrennen zu können.
Oft saßen wir stundenlang am Wasser, die nackten Füße im Sand, das Salz auf unserer Haut, das Meer in Deinem Blick. Du spieltest Gitarre und ich lag zu Deinen Füßen. Warm träumend, summend, eine Melodie des Sommers.

Am Abend klopfte ich an Deine Tür. Betrat die Wohnung im Dachgeschoss. Es gelang uns nur knapp die Tür zu schließen, ehe wir uns in der Glut brennender Küße verloren. Die Zeit des Verlangens kennt keine Scheu und erst recht nicht die Vorsicht. Wir standen im Gang, als wir uns die Kleider vom Leib streiften, ohne die Glut unserer Lippen zu kühlen. Wir schafften es mit Mühe in Dein Bett, barfuß und nackt wandelnd, zwischen Wolkenkratzern aus Papier und den einsamen Schatten die sich unter den Brücken eines Rückens verbergen. Wehrlos umherstreifend in einen unbekannten Winkeln meiner Knie übergab ich Dir meine schweigsame Bestätigung.
Gott, uns war alles so egal. Wir liebten uns stundenlang ohne ein einziges Wort zu sprechen. Hinterher lagen wir nackt und zufrieden nebeneinander, zelebrierten das Nachglühen mit einer Zigarette und tranken Whiskey direkt aus der Flasche.

Später standen wir schlaftrunken auf dem Balkon. Deine Arme lagen um meine Schultern, Dein Atem streifte meinen Nacken und wir blickten auf die vor uns liegende Stadt. Ihre endlosen, kleinen Lichter wirkten wie Sterne. Vom Himmel gewichen. Für Zwei, dessen Glühen für die Welt gereicht hätte.
Noch immer, ohne ein einziges Wort zu sprechen. Und auch das war egal. Unser Schweigen verriet mehr als Worte -
Es war Mondflüstern



in der letzten Nacht unseres Sommers.
Im Herbst wurden meine Tage zu Laub. Still aufgehäuft, Vergeudung raschelnd.
Des Nachts suchte ich allein den Strand auf, wandelte zwischen Seesternen, ließ mir von Wellen den Sandstein des Herzens polieren. Und dann kam


.......................................der Winter.








Text: naseweiß & mondgebräunt - von Lizzy,
Photo: © Lizzy (HvidLiljer),
Video: Angelus,
Lieder: Sigur Rós - Sigur Rós & Tori Amos - Beauty queen, Horses,
Gelesen von Lizzy.

Mittwoch, 20. August 2008

Maria, mir schmeckt's nicht




sieh hin ich bin keine dieser flaschen maria deiner kron
korkensammlung an deinen Lippen hängend den preis
gekrönten kopf für deinen schuß zu geben auf Eis gelegt
drängend mit langem hals für deinen kuß der asbach du
siehst auf die uhr schon jetzt alt schmeckt mir nicht mußt
du verstehen ich habs nicht mit flehen hilft dir nichts mehr
mir dein innerstes auszuschütten ich mach dich auch so
alle



Text: naseweiß & mondgebräunt - von Lizzy
der äußerst schlechte Hörtext wurde gelesen von Lizzy, gesungen Angelus. Musik: The Doors

Montag, 18. August 2008

Löschpapierliebe



mit guter mine zum bösen spiel saugst
du mich aus gelöscht deine liebe lastet auf mir liegt
schweren herzens jetzt dein blei stiftest Druck
schriftliche ge Schwüre aus deinen briefen faltete ich
flieger flog auf deine worte jetzt im hohen bogen papier
stapelt sich auf den grund verstreute gedanken an dich
hab ich genug verloren ramm dich ungespitzt in den boden
der tatsachen zurück radiere sie aus und ziehe den schlußstrich


Text: naseweiß & mondgebräunt - von Lizzy. Gelesen von Lizzy.

Sonntag, 17. August 2008

Regnpige-Das Regenmädchen

only a fill-line




Da war einst dieses Mädchen. Immer wollte es den Regen spüren, doch immer regnete es nur im Nachbarsort.
Sie wollte das Wasser auf Ihrem Gesicht spüren, wie die Tropfen einzeln jede Ihrer Sommersprossen bedecken.
So lief Sie dem Regen hinterher. Lief und lief und lief. Immer im gelben Regenmantel, den Sie aus Zuversicht trug.

Manchmal stellte Sie sich in eben jenem Regenmantel und Ihren grünen Gummistiefeln unter die Dusche, doch das konnte das Gefühl nicht ersetzen.
Sie schloss die Augen und stellte sich vor, wie es wäre. Im Regen zu tanzen, durch Pfützen zu springen; himmelwärts zu schauen, mit offenem Mund.
Wiesenliegend wollte sie sein, mit ausgebreiteten Armen und Beinen, regenliedersingend.

Ihre Eltern frug Sie, warum es bei ihnen nie richtig nass wurde. Es hieß, der Regen habe Jever verlassen, da dort bereits zu viele Tränen flossen. Doch das gefiel Ihr, denn damit konnte Sie etwas anfangen. Sie hatte einen Plan.
Fortan lief Sie jeden Tag in Regensachen in die Schule - Sie wollte den Regen anlocken.


Zuhause hielt Sie immer die Fenster geschlossen,

bat Ihre Eltern, sie mögen doch die Gartenmöbel unterstellen. Sie lief durch den Park, sah sich die Frösche an, um zu sehen, wie diese sich auf den Regen vorbereiteten, wunderte sich, wenn Sie Vögel fliegen sah.
Sie rannte zu den Kühen, beruhigte die Kälbchen, sie mögen keine Angst vor dem Gewitter haben. Ebenso bei den Lämmern und Zicklein.
Der Stier kam wutentbrannt angerannt und stellte sich schnaubend vor Sie. Sie sah ihm in die Augen und sagte nur „Pass´ mal auf, du solltest hier nicht rumschnauben, sondern auf deine Herde aufpassen“.
Sie rannte über die Wiesen und sang Lieder über Lieder.



Im Ort wunderte man sich anfangs, doch mit der Zeit wurde der Anblick immer vertrauter; ja, es gefiel sogar. Die Leute sahen Sie, wie Sie Ihre Freude auf den Regen verbreitete. Es steckte so sehr an, daß manche Kinder sich Ihr anschlossen und manch Erwachsener immer einen Regenschirm bei sich trug. Es war schon ein seltsamer Anblick, bei strahlender Sonne und blauem Himmel Kinder in Regenmänteln und Gummistiefeln zu sehen, die den Himmel ansangen. Doch niemand konnte sich dabei eines Lächelns erwehren.

Aber es fing einfach nicht an zu regnen. So sehr Sie sich auch bemühte, es regnete nicht.
Sie setzte sich in einen Baum und klagte zum Himmel. „Lieber Regen, warum denn nicht? Ich habe doch alles versucht. Habe viele Tränen vertrieben, habe dich gepriesen. Warum willst du nicht zu mir kommen? Alles, was ich wollte war nur, daß es hier einmal richtig regnet, mehr nicht, damit würdest du mich schon glücklich machen“.

Sie saß für viele Minuten dort oben im Baum und schaute sehnsuchtsvoll in den Himmel, doch nichts geschah. Dann stieg das Mädchen hinab und lief mit schlurfendem Gang über die Wiese; sie wollte zu Ihrem Lieblingslamm. Sie kletterte über den Zaun, zog sich Ihren gelben Regenmantel aus, schmiss Ihre Gummistiefel wütend weit von sich und hockte sich neben Ihr Lamm. Sie umarmte es und fing an zu weinen und gar bitterlich zu schluchzen.

Plötzlich fiel Ihr ein Tropfen Wasser auf die Nase. Dann noch einer auf die Stirn und ein weiterer auf Ihren Mund. Beim Blick nach oben konnte Sie kein Stückchen Himmel mehr sehen, überall waren dunkle Wolken und Sie konnte die Regentropfen sehen, die an dicken Bändern Richtung Erde fielen.

Lachend und singend rannte Sie über die Wiese, rannte zu den Fröschen, den Kälbchen und Zicklein und strahlte über Ihr ganzes, sommersprossenbedecktes Gesicht.
Ihre roten Haare wurden völlig durchnässt, genau wie Ihre Kleidung und Ihre bunten Ringelsocken, mit denen Sie zurückrannte. Sie rannte durch die Stadt und klingelte an jeder Türe. Ihre Freunde kamen mit zu Ihr raus. Die Eltern riefen zwar hinterher, sie sollten sich wenigstens Regensachen anziehen, doch gegen das Mädchen kamen sie nicht an und so ließen sie sie ziehen.
Die Kinder rannten händehaltend durch Pfützen, sangen Regenlieder und lachten ohne Ende. Sie setzten sich auf der Wiese in einen Kreis und erzählten wild durcheinander. Das Mädchen sah ihnen nur zu, sah zu den Wolken und fing an vor Freude zu weinen.

Seit diesem Tage regnete es wieder regelmäßig in Jever und das Mädchen wurde von allen nur noch „Das Regenmädchen“ genannt.



Text: naseweiß & mondgebräunt - von Angelus für Lizzy; Photo: © Lizzy (HvidLiljer)
Gelesen von Lizzy.

Freitag, 15. August 2008

Mash ups

(jetzt mal keine Geschichte)





Ich wollte nur eine kleine Einführung in das Thema "Mash up"/ "Bastard Pop" geben.
Dabei handelt es sich um Lieder, die aus Liedteilen verschiedener Lieder zusammengesetzt wurden.
Klassisch macht man das (wenn man die Quellen und die Muße + Technik hat), indem man die Musik eines, und den Gesang eines anderen Liedes mischt. Am besten, wenn sich die beiden Lieder stilistisch stark unterscheiden, es kann kaum eine zu große Diskrepanz geben.
Deswegen heißt es auch nicht (z. Bsp.:) The Prodigy "featuring", oder "with", oder "&", sondern "versus/vs" Enya.

Entstanden ist das Alles Mitte der 90er. Es gab auch die berühmte Sendung MTV Mash up.
Mein erster Mash up, den ich sah war Eminem vs Nena - Nur geträumt von Hifi Brown.

Es gibt leider zuviele Dance- und Pop- und einfach Dreck-Mash ups, und auch welche mit 4 oder mehr Liedern, aber die besten sind immer noch die mit Rockliedern. Das Gute ist oft, daß der Mix die Geschwindigkeit des Liedes drastisch anhebt. Wenn an einer Stelle eines Liedes eine langsamere Stelle kommt, setzt dort das andere Lied an - es gibt keine langsamen Stellen mehr.
Manche Originallieder sind auch alleine eher lahm, und erhalten durch den Mix etwas Besonderes. Z. Bsp.: Eminems Superman ist ´ne ziemlich lahme Nummer, aber mit J. Timberlakes Cry me a river hat´s was.

Ich habe euch hier einmal ein paar recht gute Mash ups zusammengestellt, damit die noch Unwissenden sich etwas darunter vorstellen können. Es ist immer lustig es vorzuspielen und zu fragen "Kennste das Lied" - "Ja klar." - "Nee, kennste eben nicht".
Hört mal rein, es lohnt sich...

Breaking news

...denn selbst Nachrichten gehen kaputt.





Das sollte eigentlich nur ein Testbeitrag werden.
Aber als Information: es wird mehr Hörtexte hier geben.

Ein kleines Gedichtchen:
Lizzy Lizzy, always dizzy, my Missy.


Und damit hier wenigstens etwas Sinnvolles drin ist:

You make me dizzy, Miss Lizzy
The way you rock and roll
You make me dizzy, Miss Lizzy
When we do the stroll
Come on, Miss Lizzy
Love me before I grow too old

Come on, give me fever
Put your little hand in mine
You make me dizzy, dizzy Lizzy
Oh girl, you look so fine
Just a-rocking and a-rolling
Girl I said I wish you were mine

You make me dizzy, Miss Lizzy
When you call my name
Oooooh baby
Say you're driving me insane
C'mon, c'mon, c'mon, c'mon baby
I want to be your lover man

Run and tell your mama
I want you to be my bride
Run and tell your brother
Baby, don't run and hide
You make me dizzy, Miss Lizzy
Girl I want to marry you

Come on, give me fever
Put your little hand in mine, girl
You make me dizzy, dizzy Lizzy
Girl, you look so fine
You're just a-rocking and a-rolling
Oh I said I wish you were mine

(eigentlich weder sinnvoll, noch von den Beatles geschrieben, aber John singt so schön).

Donnerstag, 7. August 2008

Vom Schießen mit Wasserpistolen auf Mücken im Juni/ Von Sandsäcken als Zugvögel

.






Ich schieße in meiner Freizeit auf Menschen. Manchmal fühle ich mich leer, oder muß mich von zuhause ablenken, aber manchmal habe ich auch einfach nur Langeweile, dann schnappe ich mir mein McMillan Tac-50, oder wenn ich Sehnsucht oder Nostalgie verspüre mein rotbraunes Dragunow und gehe damit raus.
Angefangen hat es an einem späten Juninachmittag, unnötig zu sagen, daß es wieder einmal zu warm war. Ich saß auf meiner Couch und stillte meinen Sohn an meiner rechten Brust, nennen wir ihn einfach Julian. Es ist gar nicht so einfach seinem Sohn Ruhe und Geborgenheit beim Stillen zu vermitteln, wenn man von Mücken zerstochen wird, die entweder afrikanische Irgendwas-Killermücken, oder amerikanische laborgezüchtete Mücken sein müßen. Mein großer Sohn, nennen wir ihn Patrice, hatte im Wohnzimmer gespielt und sein Spielzeug wieder rumliegen lassen, auch seine Wasserpistole die gefüllt war, obwohl ich ihm das verbot. Ich sah, wie sich eine Mücke auf der Puppe auf dem Sessel niederließ und bemerkte, daß man die griffbereite Wasserpistole in einen Kontext bringen konnte. Ich kontrollierte, ob aus der Pistole nur Wasser, oder Wasser mit Luft kam – im Nachhinein überrascht mich meine frühe Professionalität – und wettete mit mir selbst um 5 Euro, daß ich sowieso nicht treffen würde. Ich setzte mich aufrecht hin, rückte Julian zurecht, strich mir die Haarsträhne aus dem Gesicht und zielte, so gut das eben mit einem Spielzeug geht. Und ich traf. Ich war so überrascht, daß ich mir zweifelnd die Waffe anschaute.
Als ich am nächsten Tag zum Hofer-Supermarkt ging, gab ich einem Obdachlosen die verlorenen 5 Euro. Die nächsten Tage schaute ich, ob dieser Eine nur ein Zufallstreffer war. Doch ich war zutiefst beeindruckt und erstaunt über meine Zielgenauigkeit. Es gipfelte darin, daß ich mit meinem Mann auf dem Balkon unserer Plattenbauwohnung saß und ich ihm die Zigarette ausschoß, genau auf die Glut. Seine Gesichtsregung von erstaunt – als ich die Wasserpistole auf ihn richtete – zu perplex – als ich dann so präzise traf – verblüffte mich; ich sah nur noch selten Regungen in seinem Gesicht. Ich schoß ihm dann schnell auf die Stirn, damit sein Gesicht nass wurde, damit Wasser in seine Augen kam. Er sollte nicht wissen, wie gut ich damit umgehen kann, er sollte es für einen Zufall halten. Ich überlegte, was ich nun mit meinen Fähigkeiten anstellen sollte und rief meinen alten Bekannten C. an, den ich schon ewig nicht mehr sah. Verstehen sie mich bitte, daß ich seinen Namen nicht nennen will. Ich erzählte ihm einen Teil der Geschichte und sagte ihm, daß ich nun eben eine Schußwaffe wollte. Meine Unkenntnis muß mir aus jeder Pore geströmt sein. Er sah aus wie der KFZ-Meister, wenn eine ahnungslose Blondine fragt, was die Reparatur kostet. Also gab er mir eine Pistole, Walther TPH. Für mich klang die Bezeichnung damals hochtechnisch und faszinierte mich. Wenn ich heute „TPH“ höre, muß ich an den (natürlich alten) Moskvich meines Großvaters denken. Wenn die Sonne schien, mein Opa fröhlich war, der Wagen frisch gewaschen und weitere 17 Faktoren stimmten, kam man tatsächlich an. Erinnern sie sich noch an Jean Reno als Profi-Killer in „Leon – Der Profi“? Der hätte die TPH weder als Briefbeschwerer, noch als Türstopper benutzt. Doch als Anfänger lernt man die Grundlagen am besten mit so einer Schusswaffen-Imitation. Ich bin mir sicher, Jean Reno könnte mit einem feuchten Schwamm mehr Schaden anrichten. Nach 3 Wochen war ich geübt genug und konnte jeden Aussetzer vorhersehen und überbrücken. Ich gab C. die TPH wütend zurück und er gab mir eine Walther P99. Eine recht moderne, gute und sogar hübsche Pistole, doch das war letztendlich das Problem. Ich übte und wurde viel präziser und konnte auf 100 Meter in eine Holzwand ein Smiley schießen, und sie in 10,8 Sekunden auseinander nehmen und wieder zusammen bauen. Wenn ich im Wald war mit F. – einem äußerst loyalem, und oft langweiligem Freund von C., der immer noch bei seiner Mutter wohnte, und wohl auch ewig dort wohnen wird – kam es vor, daß wir unsere Schalldämpfer anschraubten und Tic-Tac-Toe auf einem Baum spielten. Er ließ mich manchmal gewinnen, er erhoffte sich wohl etwas davon…
Doch auf Politikerplakate zu schießen, die wir nachts von den Laternen ab- und wieder an Bäume anhingen, wurde mir schnell zuwider. Ich wollte Reaktionen. F. empfiehl mir mehrere Gewehre und schrieb mir auf einem Zettel auch vernünftige Preise für die Waffen und das Zubehör auf, womit ich wieder zu C. ging, der die Augen verdrehte, als ich ihm die P99 wieder zurückgab, aber erfreut schaute, als ich ihm die Liste vorlas, und dann wieder die Augen verdrehte, als ich ihm die Preisvorstellungen dazu vorlas. Aber ich wollte keine Pistolen mehr, und auch keine Revolver. Zum Einen bin ich kein US-Amerikaner, zum Anderen tragen Mörder, Verbrecher und Irre Pistolen - Profis und ich haben Gewehre. Ich mag Nahkampf nicht, ich will keinem in die Augen schauen. Also nahm ich gleich vier Gewehre mit in meinen Kombi. Nein, nicht im Kofferraum, wer bin ich denn? Auch aus Angst, oder Rücksicht auf die Polizei wollte ich keine Pistolen mehr.
Ich probierte jedes Gewehr über eine Woche lang aus. Nur bei dem M14 mußte ich mich zu der Woche zwingen. F. schwärmte davon, daß die Wache des weißen Hauses es benutzt und redete von den 700 Metern, die man damit am besten überrücken konnte. Doch auch die Durchschlagskraft überzeugte mich nicht – Ami-Mist eben. Dann kam das bekannte Dragunow. Es kommt aus Russland, wurde zur gleichen Zeit wie „Please please me“ der Beatles rausgebracht und benimmt sich auch sehr russisch. Es ist durchschnittlich präzise, aber so robust, daß man es sogar als Brecheisen verwenden kann. Meines hat ein wunderschönes, rotbraunes Holz – F. hat mir ein spezielles Öl zur Behandlung gegeben. Das Dritte war ein Zastava M-93. Bevor ich es sah, konnte ich mir aufgrund dieses schrecklichen Namens nicht vorstellen, daß etwas Gutes dabei rauskommen konnte. Doch als C. „Ah, ein Black Arrow“ sagte als ich es vorlas, bekam ich Hoffnung, die bestätigt wurde als ich das „Monster“, wie ich es nenne, sah. Vielleicht haben sie es schon einmal gesehen. Es ist lang, komplett schwarz und das Markanteste daran ist dieser schwarze Klumpen am vorderen Ende des Laufes, der aussieht wie eine kleine Fahrradpedale, das allen sagt „Denk´ nicht mal dran!“. Das Letzte war das McMillan Tac-50, dessen Name klingt, als wäre es ein Zimmergenosse von McGyver. Schlimm, daß man beim Umgang mit Schußwaffen immer in diese militärische Ausdruckweise verfällt. Das Tac-50 nenne ich „meinen Terminator“, aufgrund der Technik. Es hat eine Mündungsbremse, die den Rückstoß stark verringert. Man kann sie durch einen Schalldämpfer ersetzen, aber F. bastelte mir beides ran. Zum weiteren Spielzeug gehören verschiedene Zielfernrohre und Nachtsichtgeräte. Was mich aber wirklich überzeugte war die Präzision und eine optimale Entfernung von bis zu 2000 Metern. März 2002 hat Corporal Rob Furlong einen Taliban-MG-Schützen auf über 2430 Meter niedergestreckt, was bis heute offizieller Rekord ist. Wenige Tage vorher hat sein direkter kanadischer Kollege den Rekord auf 2310 Meter geschraubt – die kanadische Regierung schwört auf das Tac-50.
Ich ging also einen Monat später zu C. und warf ihm angewidert das M14 hin und behielt die anderen beiden. Für das „Monster“ Black Arrow, legten F. und ich zusammen. Ich benutzte es nie für meine eigentliche Freizeitaktivität, es ist einfach zu stark dafür. Aber, wenn sich bei mir genug Wut angestaut hat, hole ich es von F. ab und mache den Wald unsicher damit. Wissen sie, wie viel Schuß man braucht, um einen nicht allzu großen Baum auf 1000 Metern zu fällen? Nun, ich versichere ihnen, daß sie das 5 Schuß große Magazin nicht nachzuladen brauchen. Es muß sich für Männer, aber auch Frauen seltsam anhören, aber mit dem M-93 in meinen Händen fühle ich mich, als hätte ich einen Penis, der Long Dong Silver vor Neid erblassen lassen würde.
Ich suchte mir also zum einen ein Versteck für meine beiden Gewehre, damit die Kinder oder mein neugieriger Mann sie nicht fanden, und zum anderen ruhige Plätze mit Übersicht. Oft nehme ich Hochhausdächer, nicht sehr originell, ich weiß. Ich kenne jemanden in einem Kostümverleih. Sie glauben gar nicht, wie einen die Leute übersehen, wenn man eine Handwerkeruniform trägt. Ich habe an verschiedenen Stellen Sandsäcke versteckt, auf denen ich mein Gewehr lege. Mein Terminator hat ja einen integrierten Zweifuß, aber das Dragunow kann auf Dauer unhandlich werden.
Zuerst habe ich mich früh morgens Leute ausgesucht die alleine waren. Mein Erster war ein Obdachloser, der aus einem Papierkorb eine dieser Schmutzzeitungen fischte. Ich sah ihm schon einige Minuten vorher durch das Fernrohr meines Tac-50 (am Anfang wollte ich das präzisere Gewehr, um wenig Fehler zu machen) zu. Das Fadenkreuz, das man aus ach so vielen guten und schlechten Filmen kennt, lag auf der Mitte des Papierkorbs und kurz nachdem ich die Zeitung erkannte drückte ich ab. Der Korb selbst hatte bis auf die unvermeidlichen Löcher kaum Schäden; aber in ihm war Plastikmüll, der ordentlich zersprang und den Obdachlosen solch einen Schreck verpasste, daß er auf seinen fleckigen/durchgesessenen Hosenboden fiel. So fing es an mit meinem Hobby. Ich suchte die Gegend nach einzelnen Leuten ab, die Fehler machten. Manchmal Sachen, die der Anstand verbietet und manchmal Sachen, die mich einfach nur nerven; wie etwa seinen protzigen Wagen weit über der Markierung zu parken.
Nach ein paar Tagen dann nahm ich das erste Mal mein Dragunow mit, was meine Reichweite stark einschränkte, und ich mußte mir sicherer Ziele suchen. Aber ich habe dieses alte Sowjetüberbleibsel lieben gelernt. Das natürliche Gefühl, wenn sich das Holz an meine Wange schmiegt, wie es sich mit mir erwärmt, es ist alles so viel nostalgischer damit. Es kommt schon fast Lagerfeuerromantik auf – Scharfschützenlagerfeuerromantik. Danach nahm ich wieder meine Technikspielerei mit auf das Dach eines leerstehenden Lagerhauses. Ich weiß, wie es klingt, und würden sie es sehen, würden sie mich vielleicht auslachen – insofern sie eine Frau mit einem McMillan Tac-50 auslachen würden – aber bei aller Liebe zur technischen Überlegenheit war mir mein anderer Liebling zu unpersönlich. Auf dem Schaft klebt nun ein quietschbunter Hello Kitty-Aufkleber. Aus der selben Zeitschrift, die ich klauen mußte. Welche Erklärung hätte ich dafür, wenn mich jemand damit sieht? Ich bin Ende 20, ok, Anfang 30, und habe 2 Söhne. Also ein Kriegsinstrument, mit dem man jemanden aus 2 Kilometern Entfernung Manieren beibringen kann und ein Hello Kitty-Aufkleber. Ja Kitty, könntest du das nur sehen, was würdest du sagen? Wahrscheinlich nur „hello“. Nun kannte ich Vor- und Nachteile beider Gewehre und konnte mir ausrechnen, was ich wozu benutzen konnte. Es macht übrigens einen Mordsspaß Jugendlichen, die alkoholtrinkend im Park rumlungern die Parkbänke zu zerschießen; bei einer zersplitterten Bierflasche bekommt Kitty ein Küßchen.
Einmal war es eng. Eine Frau gab ihrem Sohn ein Eis und der Tochter nicht, die darauf hin natürlich weinte, was der Frau aber egal war. Ich kenne das. Meine Mutter ließ mich auch immer spüren, daß nicht ich, sondern meine Schwester das Wunschkind war. Also sorgte ich dafür, daß keiner der beiden ein Eis hatte. Ich konnte es aus dieser Entfernung nicht genau einschätzen, aber ich glaubte zu sehen, wie das Mädchen kurz lachte, als die Eiswaffel platzte. Doch nur kurz, das Sie die Bestrafung durch die Mutter fürchtete. Die aber war viel zu sehr damit beschäftigt dem Sohn das Weinen auszutreiben; sie sah es selbst nicht. Als ich dieser Szene eine Weile folgte, bemerkte ich einen Polizisten, der das Selbe tat. Aber zum Glück war er zu abgelenkt durch fliegende Eisstücken und erschreckte Kinderaugen um den äußerst ansehnlichen Haufen zu sehen, der durch die Luft flog, als sich stolze 12,7x99 Millimeter rasant in die Erde bohrten.
Doch mein prägendstes Erlebnis, an das ich oft denken muß, geschah nach 2 Monaten. Es war früh dunkel geworden. Ich suchte den Bibliotheksparkplatz, das Gelände um den Friedhof und den kleinen Park ab, nach Szenen und Möglichkeiten. Über den kleinen Hügel im Park lief ein junges Mädchen. Blond, vielleicht 15 Jahre. Soweit ich das erkennen konnte hatte Sie Kopfhörer drin und war wirklich hübsch. Ihr folgte ein Mann, mehr als doppelt so alt. Erst dachte ich er kennt Sie, aber er schien nicht aufholen zu wollen auf Sie. Dann rannte er zu Ihr und riss Ihre Schulter nach hinten, sodaß Sie von der Drehung zu Boden fiel. Sie reagierte erst panisch, dann schockiert, dann kaum merklich. Er hatte sich auf Sie geschmissen, daß Sie sich nicht mehr regen konnte und fing an unbeholfen seine Hose zu öffnen. Ich überlegte wie wild. Nein, „wild“ passt nicht. Dutzende Gedanken wurden gleichzeitig verarbeitet, oder wollten es zumindest von mir werden. Mir passierte nie etwas Derartiges und da ich 2 Söhne habe, habe ich im Großen und Ganzen keine Angst davor. Aber doch konnte ich mit diesem viel zu jungen, bezaubernd hübschen Mädchen mitfühlen. Also überlegte ich und versuchte nur konstruktiven Gedanken Beachtung zu schenken. Meine Gedanken bestanden in erster Linie aus je einem Wort und einem dazugehörigen Bild. In ungefährer Reihenfolge waren das folgende Wörter: Kopf, Gehirn, Schwanz, Brustkorb, Herz. Das angepinnte Bild war je ein medizinisches mit dem Körperteil in unbeschossenem Zustand. Ich mußte aufpassen. Das würde meinem Hobby viel zu viel Aufmerksamkeit zukommen lassen, polizeilicher Natur. Und was wäre das für das Mädchen für ein weiterer Schock, plötzlich von der Traufe in den Gehirnmasseregen zu kommen? Ich glaube einen dieser beiden Bedenken hatte ich erst danach, als ich minutenlang auf dem kiesbestreuten Dach auf dem Rücken lag und den Sternen beim Sterben zuschaute. Dann fiel mir Fußball ein und ich mußte an Sportverletzungen am Knöchel denken. Sicher auch ein Aufmerksamkeitsmagnet – seien wir ehrlich, ich werfe nicht mit Dartpfeilen – aber doch weniger problematisch für die Gesundheit als zwei neue Herzklappen. Die vier Füße waren rechts, die zwei Köpfe links; zum Glück, so ist es mir lieber. Vielleicht haben es Linkshänder andersrum lieber, wer weiß. Sein linker Fuß stand auf dem Boden, um mehr Gewichtskraft auf Sie ausüben zu können. Tja mein Freund, nicht mehr lange. Ich presste das heiße Holz in meine Schulter und gegen meine Wange. Ich vermisste Kitty. Zielen, Luft anhalten, noch einmal zielen und durchdrücken kamen mir nie wieder so lange vor.
Ich sah, wie sich der Fuß unnatürlich und viel zu schnell bewegte und schloß die Augen. Ich hatte Angst. Wovor? Ich weiß es nicht. Erwischt zu werden, beim nächsten Blick zombiefilmartige Verstümmelungen zu sehen, das Mädchen getroffen zu haben, vor einer Steuererhöhung…ich weiß es nicht. Irgendwann blickte ich dann wieder durch mein Opernglas auf die mögliche Tragödie weit vor mir und erblickte ein sich aufrappelndes, blondes Mädchen und einen Mann, dessen Liebe zu seinem Fuß einen empfindlichen Knacks bekommen hatte. Wirklich froh war ich immer noch nicht, aber als Sie (ich nenne Sie intern Nathalie, mit französischer Betonung) schließlich wegrannte und er, ohne Namen, sich immer noch, voll von süßem Schmerz, auf dem Boden krümmte, war ich zumindest zufrieden. Ich verstand nicht, warum er, der große, böse Wolf, sich so jammerhaft und ungrazil der Gravitation hingab. „Miezie“ hätte den Fuß an sehr viel dünneren Hautfetzen hängen lassen, und mein „Monster“…wahrscheinlich hätte er sich selbst auf das andere Bein getreten und es gebrochen - wie auch sein letztes bißchen Stolz – also wozu diese Abschiedsgala?
Danach habe ich erst einmal eine Woche Urlaub gemacht und Sudoku angefangen. Doch wenn ich in einer Tour nur Zahlen von 1 bis 9 sehe, überlege ich, ob Telephone mit Wählscheibe eine 0 haben. Ich war mit meinen Kindern auf dem Jahrmarkt. Mein Mann schleppte mich zur Schießbude und ich mußte grinsen, als ich die Repetiergewehre sah; alleine das Wort sieht geschrieben so veraltet aus. Also stellte ich mich hin, überprüfte die Windrichtung und -Geschwindigkeit…sehen sie, sie passen nicht auf. Mit diesem Gewehrchen und auf diese Entfernung ist der Wind zu vernachlässigen (wie auch die Abscheu vor Uropas eingetrockneten Speichel in altem Holz). Deswegen nenne ich ihnen keine Namen, sie sind nicht professionell genug. Jedenfalls wollte ich ihn natürlich gewinnen lassen, doch schon der erste Schuß war ein Treffer. Diese Schießbüchsen verziehen dermaßen, daß es nicht so leicht ist das mit einzuberechnen. Mein Mann guckte erstaunt und ich ließ nur noch den letzten Schuß einen Treffer werden – faire Chance für den Schießbudenmacho.
Ich werde umziehen müßen, zumindest meine Sandsäcke müßen auf Wanderschaft gehen. Man fängt hier schon an zu reden, und das muß ich verhindern.


Ende



Dragunow
McMillan Tac-50
Zastava M-93

Der Titel ist noch ein Arbeitstitel.
Text: naseweiß & mondgebraeunt - von Angelus für Lizzy
Hörtext: Lizzy
Hörtext-Untermalung: Leon - Der Profi