Mittwoch, 25. Juni 2008

Mir fehlt das Geheimnisvolle

Hier is nix Geheimnisvolles, Kleine.





Ich kann seine Gedanken lesen. Richtiges Gedankenlesen, wie im Kino. Es ist so einfach bei ihm. Er hat so klare Gedanken – so einfach.

Alles ist einfach bei ihm.
Ich frage ihn, wie es ihm geht, er denkt „gut“, er sagt „gut“. Ich frage „wie war dein Tag“, er denkt „geht so“, er sagt „geht so“. „Möchtest du etwas Besonderes zu essen heute?“ – „Nein“, „Nein“. Liebst du mich? – „Ja“, „ja“. Doch ich bekomme nicht mit was er fühlt.
Ich sehe ihn minutenlang voller Sehnsucht aus dem Küchenfenster starren, während er seinen Tee in seinen Händen erkalten lässt, und frage ihn, ob er etwas vermisst. „Nein“, und genau das denkt er auch. Aber ich kann sehen, daß es ein Loch in ihm gibt, dafür brauche ich meine Fähigkeit nicht. Er weiß übrigens nichts von ihr.
Ich wollte es ihm erst sagen, versuchte einen passenden Moment zu finden, doch ich wusste, daß dann seine Gedanken nicht mehr die seinen wären. Er würde denken, was ich hören will – was er meint denken zu müssen. Und ich wartete auch auf etwas Neues in ihm, von dem ich nichts weiß. Jetzt weiß ich mehr, als mir vielleicht lieb ist.
Ich weiß, daß seine innere Stimme stumm geworden ist. Es gibt nicht das Teufelchen und das Engelchen, das so klischeehaft wie ein Abziehbild an unseren Gedanken klebt. Auch dieses innere Kind - es bleibt zuhause und kommt nicht mehr zum Spielen heraus. Er war stumm geworden. Viel stummer als jemand, dessen Stimmbänder nicht mehr vibrierten. Ich bin mir sicher, daß Blinde Dinge im Kopf sehen, Taube sich Geräusche vorstellen, aber er funktioniert nur noch.
Einmal frug ich ihn, was er denkt. Da wühlten sich dutzende Gedanken durch seinen Kopf, zu viele, als daß ich sie verstanden hätte. Er frug sich, was ich damit wollte und ratterte wohl eine Liste herab, um dessen passendste Antwort zu finden. „An nichts Besonderes“ – das dachte er nicht einmal, er sagte es einfach. Standardantwort 3.

Warum ich immer noch mit ihm zusammen bin? Er ist gut zu mir. Er lügt mich nicht an und er ist für mich da. Er denkt auch öfter an mich; er sagt zwar wenig darüber, aber manchmal denkt er an mich. Und wenn wir nicht gestritten haben (ich wollte nicht den Eindruck erwecken, als käme alles von ihm), fallen ihm Sachen über mich ein, die mich erröten.
Was ich denn habe, fragt er mich dann immer. Dann wäre ich froh, wüsste ich nicht was er denkt, mir fehlt das Geheimnisvolle.

Er ist wie ein Haus, wie ein altes Haus. Und ich bin seine letzte tragende Wand.



Text: naseweiß & mondgebraeunt - von Angelus; Photo: ©Angelus (Secretgardener)
Gelesen von Lizzy.

Freitag, 20. Juni 2008

Wie ein Eisbär und eine Fee Freunde wurden

Hast mich erwischt, Kleiner.










Lasse der kleine Eisbär hing mit seinen Tatzen im Eiswasser und schaute den wellenden Spiegelungen auf der Wasseroberfläche zu. „Erzähle mir doch noch einmal, wie Du hierher gekommen bist!“ Svaeja die Frühlingsfee, die gerade dabei war verzweifelt eine Blume zum Blühen zu bringen, antwortete gelangweilt „aber ich erzählte sie Dir doch schon so oft, hast Du nicht einmal genug davon?“ „Nein, ich höre Dir gerne zu, Du kannst so schön erzählen“ – „Nun gut, weil Du es bist:
Es war ein bis dahin ganz normaler Frühlingstag. Ich überlegte, welche Pflanzen ich als nächstes aus ihrem Winterschlaf erwecken sollte, als ich plötzlich einen Grashüpfer auf einem Stein liegen sah. Ein ungewöhnlicher Platz für einen Grashüpfer dachte ich bei mir und ging zu ihm. Erst bemerkte er mich nicht, doch dann vernahm er mein glockenhaftes Summen, das uns Feen umgibt, Du kennst es ja. Er schaute hoch und ich sah ihm seine Verwunderung und Unsicherheit an, aber ich sah auch, daß da noch mehr war. „Sag´ Grashüpfer, wer bist Du, und warum schaust Du so traurig aus?“ – „Ich bin Háleggur, Sohn von Ímaldur. Ich wollte euch nicht stören, ihr seid eine der Jahreszeiten-Feen, oder?“ – „Ja, oh!, verzeih´ mir, daß ich mich nicht vorstellte. Ich bin Svaeja Tharja Blíða Fagra-Rauðka, die Frühlingsfee, nenne mich einfach Svaeja! Aber Du störst mich doch nicht Háleggur, erzähle mir bitte, warum Du so traurig bist!“ – „Ach weißt Du, es gibt da jemanden, den ich sehr liebe, die wundervolle Glyðra. Ich kenne Sie nun seit drei Wochen, aber es fühlt sich an, als wäre es erst ein Grillenzirpen her, das ich Sie das erste Mal sah. Sie war auf einem Blatt und ruhte sich aus. Ich dachte zuerst es wäre nur eine Lichtreflektion, bis ich erkannte, daß es das wohl schönste Wesen ist, das ich je sah. Dann bemerkte auch Sie mich und wir sahen uns eine Ewigkeit nur an – ich glaube das war das erste Mal, das ich nichts sagen musste um den Anderen zu verstehen. Dann gingen wir aufeinander zu und wurden ganz schüchtern und haben uns für den nächsten Tag verabredet uns am Seeufer zu treffen - ich war in meinem gesamten Leben noch nie so aufgeregt; ich hatte so große Angst Sie könnte mich nicht mögen. Aber ich merkte am nächsten Tag, daß auch Sie sehr nervös war. Also packte ich all meinen Mut zusammen, als Sie mir sagte, daß Sie nicht wisse, ob ich Sie möge, und küßte Sie. Ich nahm Sie in die Arme, zog Sie an mich und küßte Sie bestimmt für Minuten; wäre mir nicht schwindlig geworden, küßte ich Sie bestimmt jetzt noch. Die nächsten Tage waren für mich schöner als ich es mir je erträumt hätte. Wir wichen uns nicht von der Seite und lagen meist einfach nur im Gras und hielten uns in den Armen.“
- „Aber Háleggur, das klingt doch wundervoll, was ist denn passiert, daß Du so bedrückt bist? Hat Sie denn vielleicht einen Anderen Freund gefunden?“ – „Nein, das würde Sie mir nie antun, das weiß ich. Es ist aber so, daß wir uns nun ein paar Tage nicht mehr sahen. Ich sah Sie zuletzt am Seestrand, wo ich Sie zum ersten Male küßte. Es war schon sehr spät und Sie musste nach Hause, also gab ich Ihr einen letzten Kuß und Sie flog davon.“ – „Sie „flog“? Aber Grashüpfer können doch nicht fliegen“ – „Da siehst Du es, da ist ja das Problem. Glyðra ist eine Libelle. Sie ist in Ihrer ganzen Art einfach anders als alle, die ich vorher kannte.“ – „Und Libellen und Grashüpfer dürfen nicht zusammen sein, ich kenne das Gesetz als Fee natürlich. Weißt Du denn, was mit Ihr passierte?“ – „Nein, das macht es ja noch schlimmer. Wüßte ich wo Sie ist, oder was mit Ihr geschah, ich würde mir ein Bein ausreißen Ihr zu helfen.“ – „Nun, zum Glück verfüge ich als Fee über besondere Fähigkeiten und werde Dir helfen Sie wiederzufinden.“ – „Aber…aber Svaeja, das ist doch verboten, Du würdest sehr viel Ärger bekommen. Ich möchte nicht noch jemanden ins Unglück stürzen“ – „Lieber Háleggur, mache Dir keine Sorgen um mich! Ich mag vielleicht klein und hilflos aussehen, aber ich habe schon so manchen aussichtslosen Kampf gewonnen. Sei morgen früh wieder hier! Ich werde herausfinden, was mit Glyðra passierte.“ – „Ich weiß nicht, wie ich Dir danken soll.“ – „Danke mir erst, wenn ihr wieder zusammen seid!“
Also flog ich überall hin und frug jeden den ich kannte und nutzte meine Fähigkeiten so gut ich konnte. Doch so sehr ich mich auch bemühte, ich fand Sie nicht. Also ging ich zum König um ihn Bericht zu geben, was ich heute gemacht hätte, damit meine Abwesenheit nicht auffiel. Natürlich war er verärgert, da ich nicht viel erreicht hatte und ich musste versprechen mich die nächsten Tage mehr anzustrengen. Gerade als ich das Schloßtor passierte, hörte ich ein leises, aber schmerzliches Weinen; es kam aus dem Verließ. Vorsichtig flog ich hin um zu schauen wer dort so verzweifelt schluchzte. Es war wie ich gehofft, oder befürchtet hatte, es war Glyðra. Ich tarnte mich, damit mich keiner bemerkte und kniete vor das Gitter, das das Fenster im Verließ ersetzt. Ich sprach Sie an, doch Sie hörte mich nicht, so warf ich kleine Steinchen durch die Stäbe. Sie sah mich ungläubig an, so wie zuvor Háleggur. Ich erzählte Ihr alles, und daß er Sie immer noch über alle Maßen liebte und daß wir Sie befreien wollen. Und der Grashüpfer hatte wahrlich Recht, diese Libelle war eines der schönsten Geschöpfe die auch ich je gesehen habe, und auch eines der traurigsten.
Ich fasste einen Plan Sie zu befreien. Auf den König konnte ich nicht hoffen, er war sehr streng wenn es um seine Gesetze ging, zumal er sowieso sauer war auf mich. Ich wartete bis es dunkelste Nacht war, entledigte mich der Wachen mittels eines Schlafzaubers, wand meinen äußerst komplizierten Stumm-Zauber an, der alles in einem Umkreis von 10 Metern von mir geräuschlos macht und musste all meine Kraft nutzen um die Gitter zu zerbrechen. Ich musste mehrmals ansetzen, da der Palast des Königs aus Drachenschuppen besteht, es gelang mir erst beim fünften Male. Und dann musste ich Glyðra durch das enge Verließfenster ziehen. Du kannst Dir vorstellen wie schwer es ist aufpassen zu müssen, daß zarte Libellenflügel nicht brechen oder reißen, wenn man so geschwächt ist… Ich schaffte es und wir flogen zur Wiese nahe der Stelle, wo ich frühs Háleggur treffen wollte; während des Fluges musste Glyðra mich stützen. Sie bedankte sich unermüdlich für Ihre Rettung bei mir, doch das war nichts im Vergleich dazu, als Sie Háleggur wieder sah. Sie umarmten und küßten sich, daß ich Angst hatte sie würden sich noch verletzen. Ich ermahnte sie zur Vorsicht, da die schlafenden Wachen sicher schon bemerkt worden wären, doch da nahm das Unheil schon seinen Lauf. Nicht wegen der Wachen fand man mich, nein. Der König sandte seine Spione aus die überprüfen sollten, ob ich meine Arbeit auch ja fleißig erledige. Es war natürlich ein gefundenes Fressen für sie mich nicht arbeitend und die flüchtige Libelle zu erwischen. Sie stürzten sich auf uns ich hatte Mühe die beiden Liebenden an den Händen zu nehmen und mit ihnen davon zu fliegen. Ich flog so schnell ich noch nie flog. Ich wusste erst auch gar nicht, wohin ich eigentlich flog, ich wollte nur den Leuten des Königs entfliehen. So flog ich ewiglich lange, zu einem Tal, welches mir unterwegs einfiel. Ich war mir sicher, daß wir dort sicher wären. Doch der König schickte seine schnellsten Flieger nach uns, die Pfeil-Libellen, ausgerechnet Libellen dachte ich mir. Ach Lasse, Du kennst sie ja gar nicht. Pfeil-Libellen sind sehr kräftig und schmal und lang. Und sie haben ein glänzendes Violett, durch das man sie schon von Weitem erkennt und fürchten soll. Ich wusste, daß ich mich dieses Mal nicht rausreden könnte, auch eine Fee darf sich nicht alles erlauben musst Du wissen. Und ich war dem König eh ein Dorn im Auge. Ich war ihm nicht gehorsam genug, ich war ihm zu „verspielt und nicht ernst genug bei der Sache“ wie er es ausdrückte. Aber was sollte ich machen, ich soll die Natur wieder zum Leben erwecken, dafür muß man fröhlich sein und viel Freude verbreiten und lachen, und ich bin nun einmal so, wie ich bin.
Ich hörte aus der Ferne schon ihr Surren im Wind. Mir fiel ein sehr starker Zauber ein, der sehr viel Kraft brauchte, und ich hatte ihn zu allem Überfluß seit vielen Jahren nicht mehr angewendet. Also brauchte ich zwei Versuche bis er klappte. Die beiden untrennbaren Geschöpfe mussten sich dicht aneinander stellen und ich zauberte sie weg. Ich zauberte sie in ein fremdes, weit entferntes Königreich, in dem der König ebenfalls eine Libelle war und es auch eine Königin gab, die so liebevoll war, daß Sie vom ganzen Volke verehrt wurde. Dort war man nicht so streng und würde diese Liebe gutheißen, zumal ich mir sicher war, daß der König es nicht mit ansehen könne so eine wunderschöne kleine Libelle leiden zu sehen.
Doch für mich war die Sache damit natürlich nicht erledigt, im Gegenteil, für mich sollte der Ärger erst richtig beginnen. Ich kam ebenfalls ins Verließ, doch wurde es in der Zwischenzeit erneuert und derart verstärkt, daß selbst zwei meiner Sorte doch nicht ausbrechen konnten. Der König nahm mir meine Aufgabe den Frühling herbei zu rufen und verbannte mich an den Ort, an dem ich dies auch in der nächsten Zeit nicht schaffen könnte, eben in die Arktis, in der ich Dich traf. Doch meine Kräfte konnte er mir nicht nehmen. Und seitdem bin ich nun hier.“
Der kleine Eisbär lag auf seinem weichen weißen Bauch und hörte mit verschränkten Armen zu. Er schaute Sie an. „Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich Dich hier sah; man konnte Dich ja schon aus großer Entfernung sehen. Deine Haare leuchteten so farbenfroh - dieses Grün und Rot, das so ineinander übergeht, und doch so abgegrenzt ist, daß man es nicht beschreiben kann. Deine Haare wehten im Winde und ich sah, daß Du zittertest. Ich ging zu Dir und konnte Deinen über und über mit Blätter überzogenen Körper sehen, Du sahst so schwach aus und hast so schlimm gefroren, doch als ich zu Dir kam, wurde es Dir wärmer.“ – „Ja, wir Feen, und besonders die Frühlingsfeen, wärmen uns nicht an der Sonne, sondern am Mitgefühl anderer, und Du warst mir immer viel Wärme.“ Sie sahen sich lächelnd an und brachen dann plötzlich zeitgleich in lautes Gelächter aus. Sie verstanden sich viel zu gut, als das sie viel sagen mussten um zu wissen, was der andere denkt oder fühlt.
Doch dieses Lachen, diese Fröhlichkeit war der Eishexe ein Dorn im Auge. Sie mochte es gar nicht, wenn es an ihrem Ort Frohsinn gab. Sie hörte das Lachen und flog augenblicklich darauf zu, schwang ihren Zauberstab und schickte einen Blitz zwischen Lasse und Svaeja, auf daß es nur so krachte und die beiden erschrocken zurück setzten. Sie hatten in diesen Augenblicken ganz vergessen, daß sie hinter ihnen her war. Wie sie oben auf dem Eisberg stand, ihre feuerroten, verwünschten Haare im Wind wehend, der einzige Farbstich den es in dieser Richtung gab, das konnte einem schon Angst machen. Svaeja aber stand wieder auf und stellte sich demonstrativ trotzig in ihre Richtung, als sie ihr rüber rief „Was soll das, warum kannst du immer nur Zwietracht und Unheil über alle bringen?“ – „Ich mag dich nicht, ich will dich hier nicht haben, ich kann dich hier nicht brauchen. Das hier ist ein kalter, einsamer Ort, doch du musst das alles kaputt machen, du zerstörst hier alles. Und darum muß ich dich von hier verjagen. Du kommst einfach hier her, obwohl Du hier so gar nicht reinpasst. Du störst die Ruhe hier, Du freundest Dich mit einem EISBÄREN an, Du respektierst mich nicht, respektierst meine Macht über diesen Ort nicht. Ich glaube, Du kennst noch nicht einmal meinen vollständigen Namen, und alle, die ihn nicht kennen werden von mir bestraft.“ – „Zuerst einmal sage ich dir wie schon so oft zuvor, daß ich nicht vorhatte hierher zu kommen. Ich wurde verbannt auf unbestimmte Zeit und versuche nun das Beste aus dieser Zeit zu machen, was für mich bedeutet, daß ich versuche dem Ort Leben zu geben und mich mit den Lebewesen anzufreunden. Und dann sage ich Dir noch etwas: Herkja Beiskja Margvís Grotta, so lautet dein Name.“ Die Eishexe war erstaunt, damit rechnete sie nicht. Doch um keine Schwäche zu zeigen schwang sie wieder ihren Zauberstab und schuf einen Eissturm, der die beiden weit weg trug. Svaeja konnte wenig dagegen tun, außer den Sturz abzuschwächen. Sie hatte zwar Kräfte, doch die waren zu schwach im Vergleich zur Eishexe und außerdem waren diese Kräfte nie für die Arktis bestimmt gewesen, sie funktionierten hier nicht so gut wie zuhause.
Die beiden landeten und versicherten sich, daß dem anderen nichts passiert ist, dann fingen sie an über das Erlebte zu reden. „Ich kann sie nicht leiden“ fluchte Lasse, „immer ärgert sie einen nur. Nie tut sie etwas Gutes, oder hilft einem. Ich wünschte sie wäre nie erschaffen worden.“ – „Lasse“ sagte Svaeja mitfühlend, „sag´ so etwas bitte nicht! Ich glaube nicht, daß sie nur Böses tut, und ich glaube auch, daß sie eine gute Seite hat. Ihr, die ihr nur diesen Ort kennt und nur Kälte erlebt habt, könnt schwerer an das Gute glauben. Ich aber habe schon so viele Geschöpfe kennen gelernt, ich weiß, daß wirklich jeder auch eine freundliche Seite hat. Du weißt nicht, warum sie so ist, wie sie so geworden ist. Versuche bitte einmal etwas Gutes an ihr zu entdecken, tu es bitte mir zuliebe. Du weißt, ich mag es nicht, wenn jemand negative Gefühle hat, das schmerzt mich, ich werde schwach davon. Als ich Dich das erste Mal sah, hatte ich auch etwas Angst. Für eine Elfe ist selbst ein kleiner Eisbär schon ziemlich groß und fürchterlich erschreckend. Aber ich sah das Gute in Dir, ich konnte in Dein Herz schauen, ich sah all die Wärme, die nur raus wollte, und so habe ich Dich von Anfang an gemocht.“ – „Ja, Du hast natürlich Recht. Es tut mir leid, wenn ich so gemein war. Ich kann nicht so sein wie Du, ich möchte auch gerne Dinge wieder zum Leben erwecken können, ich möchte Freude verbreiten, ich möchte Glück ausstrahlen. Aber ich bin so anders als Du.“ – „Nein Lasse, so anders bist Du doch gar nicht, auch Du kannst Glück ausstrahlen. Wenn Du bei mir bist, bin ich fröhlich. Aber jetzt erzähle mir doch noch einmal, wie Du als Baby herumgetobt bist zwischen den Eisbergen und immer wieder ins Wasser gefallen bist und nicht einmal einen kleinen Fisch fangen konntest, Du weißt, ich höre diese Geschichten so gerne“.
Und so erzählten sie sich gegenseitig stundenlang Geschichten aus ihrer Kindheit, Geschichten aus ihrer Heimat. Sie erkannten, daß ihre Orte sich zwar unterschieden, aber auch viele Gemeinsamkeiten hatten - sie lernten sich über die Wochen immer besser kennen. Wunderten sich oft über seltsame Gebräuche und Namen und Wesen, die es in der anderen Welt nicht gab. Es gab immer etwas Neues zu entdecken in ihren Erzählungen.
Dann eines Tages erwachten sie und blinzelten gerade noch die Sonne an, als sie merkten, daß die Eishexe nicht weit entfernt stand und nur darauf wartete, daß sie erwachten. „Herkja!“ rief Svaeja. Lasse warf geschwind ein Eisstück in Richtung der Hexe, „Schnell Svaeja, flieg´ weg!“ Die Hexe schwang wieder ihren Zauberstab und schleuderte einen Blitz hervor. Doch der Blitz traf das Eisstück und wurde davon zurückgeworfen zur Hexe. Sie wurde in das Bein getroffen und fiel schmerzverzerrt zu Boden. Ein weiterer Schmerzensschrei als sie auf den Eisberg aufschlug. „Komm´ Svaeja, das ist unsere Chance, wir verschwinden und sie wird uns nie wieder etwas antun.“ – „Nein Lasse! Ich werde sie hier nicht verletzt zurücklassen. Ich bin nicht so, und das weißt Du.“ Sie ging zur Eishexe und ließ sich auch vom drohenden Blick nicht zurückschrecken. Sie half Herkja sich wieder hinzusetzen und schaute sich das Bein an. „Gebrochen, das müssen wir schienen“ sprach sie, nahm den Zauberstab der Hexe, die Angst bekam sie würde ihr damit etwas antun. Doch sie nahm den Stab, richtete ihn aufs Wasser und schuf einen Eisstab, den sie mit weiterem Wasser an das Bein der Hexe klebte. Diese wiederum wusste nicht, was sie davon halten sollte, sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit.
Lasse und Svaeja nahmen die angeschlagene Eishexe mit in die Eishöhle und pflegten sie, bis sie wieder gesund war. Sie sah mit an, wie die beiden ihre Spiele spielten, herumalberten und einfach fröhlich waren. Sie spielten natürlich auch mit Herkja, aber diese spielte nur selten und widerwillig mit. Als es wieder Zeit wurde für die Hexe zu gehen sprach sie zu den beiden „Svaeja, Lasse, ihr habt mir geholfen, als ich am verletzlichsten war, ihr hättet mich ebenso gut liegen lassen können. Doch ihr nahmt mich, euren Feind, mit zu euch nach Hause und habt mich wieder gesund gepflegt, obwohl ich euch jederzeit hätte angreifen können, das war sehr mutig von euch. Ich habe jetzt erkannt, was Wärme bedeutet, und dafür danke ich Dir sehr Svaeja. Aber ich muß Dir auch sagen, daß ich niemals so sein kann wie Du.
Schau, dieser Ort ist kalt, und das ist wichtig für die Welt, also muß auch ich kalt sein. Würde ich mich erwärmen, so würde auch dieser Ort schmelzen. Ich hoffe also, Du verstehst, wenn ich niemals so herzensfroh werde wie Du, Svaeja, oder so verspielt wie Du, Lasse. Deine fröhliche, naive Art hat mich oft zum Lachen gebracht, auch, wenn man es äußerlich nicht sah. Aber als Zeichen meines ehrlichen Danks möchte ich Dir diese Kristallkugel geben. Sie hat die Macht Dich wieder in Deine Welt zu bringen. Doch sei vorsichtig! Sie kann das nur einmal – wenn sie erst einmal zerbrochen ist, ist der Zauber freigesetzt und wird Dich nach Hause bringen. Also überlege gut, wann Du ihn benutzt!“
Und so gingen sie wieder ihrer Wege. Svaeja und Lasse wurden seitdem oft zusammen gesehen, und die Eishexe machte einen Bogen um sie; und falls sie sich doch einmal näher trafen, lächelten sie sich gegenseitig an und winkten sich zu. Und wer weiß, wann Svaeja wieder nach Hause zurückkehrte.


Fin







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Der Titel könnte sich noch ändern.
Text: naseweiß & mondgebraeunt - von Angelus für Lizzy; Malereien/Illustrationen: ©Lizzy (HvidLiljer),Model: Lasse (von Angelus an Lizzy geschenkt)

Donnerstag, 19. Juni 2008

Verliebt in die Sonne

Es war einer dieser Tage, an denen nichts ging, und doch ging etwas. Es ging ihm auf die Nerven und es ging schon seit Monaten so. Einer dieser Tage aus einer ganzen Reihe nichtsgehender Tage.
Wo war nur sein Elan geblieben? Die Freude, die er empfunden hatte und die ihn diesen Beruf ausüben liess? Ihm fehlte die Inspiration.
Er saß in diesem alten Ledersessel und starrte durch das grosse Studiofenster ins Freie. Haareraufend, ein Buchhalter der Bilanz zieht. Draussen regnete es. Verdammter Regen dachte er bei sich und starrte verächtlich auf das Treiben vor seinem Fenster. Menschen mit keine-Zeit-Gesichtern, Menschen mit ignoranten Gesichtern, ihn fröstelte. Menschen mit ...
Ein Gesicht ganz anders als die Anderen. Sein Blick blieb an einem Mädchen haften. Sie stand dort inmitten des Regens, in einem grünen Kleid, barfüssig und summend, pfützenspringend. Keine-Zeit-Gesichter wurden zu langen Gesichtern, ignorante Gesichter zu spöttischen Gesichtern,
sein eigenes, ungläubiges Gesicht wurde ein fest-entschlossen-Gesicht und er trat hinaus. ...



Er stand ihr gegenüber. Sie lächelte. Innerhalb kürzester Zeit hatte sie ihn erobert und entführt mit ihrer guten Laune, Offenheit und Unbefangeneit, daß sein sonst so geregeltes Leben, bei dem alles seinen geplanten Verlauf zu nehmen hatte, vollkommen aus den Fugen geraten war. Mittlerweile vergaß er alle seine Vorbehalte gegenüber den Mädchen der Provinz und hätte wohl ohne zu zögern zugegeben, daß allein sie Anmut und Lebendigkeit besitzen. Wie sie so vor ihm saß mit diesem übermütigen Ausdruck in den blauen Augen, musste er unweigerlich an die vergangene Woche und ihren Ausflug in den nahegelegenen Parco Oppio denken, in dem sie, geschmeidig wie eine Katze in den Bäumen herumgeklettert war, und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Sie war wohl zweifellos das verrückteste Mädchen, daß er je gesehen hatte. Leidenschaftlich und kühn war sie und wohl auch ein bischen verdreht: Gestern hatte sie dem armen Signore Mancini übel mitgespielt, dessen neugierige Frau, die Klatschbase des Hauses, ihn nach einem ihrer wohl spektakulärsten Eifersuchtsanfälle, in der sie gerne den einen oder anderen Teller oder Blumentopf nach ihm warf, aus der gemeinsamen Wohnung schmiß. Dort verblieb er dann für die nächsten Stunden im Treppenhaus vor verschlossener Tür der ehelichen Wohnung, bevor sich alles aufklärte und sie ihm die Tür öffnete. Als das an der Nase herumgeführte Paar Mancini Fiori sie daraufhin ansprach, welcher Teufel in sie gefahren sei, sich solche Frechheit mit ihnen zu erlauben, antwortete sie mit gekonntem Augenaufschlag, sie habe dem Paar das eigene Privatleben spannender gestalten wollen, damit sie sich zuweilen einmal nicht um das ihre hätten kümmern müssen. Sie habe Männerbesuch gehabt und restliche Frivolitäten blieben ihnen besser erspart. Bei dieser Bemerkung umspielte ein keckes Lächeln ihre roten Lippen und sie ließ die Aufgebrachten im Treppenhaus zurück.

Genau dieses Lächeln war es jetzt, daß ihm seine Gedanken nur so heraussprudeln ließ, als würde er die blasse Sommersprossige, die ihm lachend und so lebhaft antwortete, das sie immer wieder ihre Pose verlor, ein Leben lang kennen. Draussen begann es zu regnen und die Tropfen prasselten gegen das grosse Fenster. Verdammter Regen, dachte er bei sich und fing an zu lächeln, während er hinter seiner Kamera stand und wie ein Theaterregisseur avancierte. Er entfernte sich ein wenig von ihr, kniff dabei ein Auge zusammen und fixierte ihr Gesicht, um es im Ganzen betrachten zu können. Bald darauf neigte er den Kopf etwas zur Seite und trat wieder näher heran, um auch die flüchtigsten Züge zu erkennen, die kleinsten Nuancen der zimtenen Sommersprossen, und das lange rote Haar, welches in leuchtenden Strähnen ihr Gesicht umrahmte. Er wollte das festhalten was sich hinter ihrer sichtbaren Gestalt verbarg, dieses beängstigende Strahlen ihrer Augen, der Grund für ihre natürliche Schönheit. Der fesselnde Reiz, der ihr innewohnt und bewirkt, das gerade er und nicht irgendein Anderer so unsterblich in sie verliebt war. Einer jener Augenblicke, wurde ihm bewusst, die für alle Zeit das Leben zu bestimmen scheinen. Nach dem Regen wird auch die Sonne wieder scheinen. Das wusste er, denn sie strahlte ihn an. Einer jeder Augenblicke, dachte er, die für alle Zeit das Leben zu bestimmen scheinen, einfach und allein durch die Schönheit der Gegenwart, und ihm wurde warm ums Herz.

Text:naseweiß & mondgebraeunt - von Lizzy; Photo: ©Lizzy (HvidLiljer),Model:Lizzy

Die Nacht gehört zum Tag

Die ganze Nacht liege ich wach, um auf etwas zu warten, was vermutlich ohnehin nicht eintreffen wird. Nicht in dieser Nacht. Nicht heute. Nicht jetzt. Stundenlang warten, doch die Antwort wird nicht kommen. Sie hat vermutlich etwas Besseres zu tun, die Antwort. Vielleicht schläft sie schon längst. Oder immernoch. Barfuß schleiche ich durch das Haus, an das offene Fenster. Da ist der Mond. Dick und rund. Zufrieden. Zumindest zufriedener als ich, obwohl ich rund bin. Wie ein Ballon. Einer, der prall mit Luft gefüllt ist; kurz vorm Platzen. Ich bin gefüllt mit unwillkommenen Fragen oder Gedanken, mit dem Unterschied, daß aus mir die Luft schnell raus ist. Luftmatratze. Anfänglich liegt es sich gar nicht so schlecht auf ihr. Doch langsam und kontinuirlich entweicht ihr die Luft. Man liegt dann sehr bald auf dem harten Boden. Und das kann sehr unbequem werden.

Der Mond lächelt eines seiner strahlenden Lächeln, das silbern und zäh an meinen Lippen hängen bleibt. Ein wenig sarkastisch. Als würde er sagen wollen 'Schau nicht so erwartend, ich bin nur der Mond'.
Und der Dicke behält Recht. Ich hasse es, wenn ich im Unrecht bin. Das reicht! Ich heule den Mond an. Irgendwann hat er es satt und verschwindet.

Es ist Morgen und die Sonne geht auf. Doch die Antwort ist nicht gekommen. Ich sehe der Sonne zu. Sie lächelt. 'Sei nicht böse auf den Mond, im Grunde bist Du ihm ähnlich. Er wartet in dunkler Nacht auf den Tagesanbruch'.

Die Sonne strahlt und ich fühle für einen Moment die Wärme in meinem Herzen. Ein lichter Moment. Es fühlt sich gut an. Die Sonne ist etwas, das ich mag. Ich beschliesse, mir ein wenig Creme auf die mondgebräunten Wangen zu schmieren und fahre hinaus. Besorge mir ein Plakat und ein paar Farben. Kräftige Farben. Rote, Blaue, Grüne, Gelbe. Als ich wieder zu Hause ankomme, schreibe ich in grosser Schrift auf mein Plakat 'Ich bin, und das macht mich aus: '. Als Erstes male ich eine grosse Sonne, die strahlt. Damit ich es nicht vergesse. Und nehme mir vor, in jedem Lichten Moment, eine neue Eigenschaft auf mein Plakat zu übertragen.

Die Antwort nicht zu verstehen, bedeutet nicht, das sie nicht existiert. Ich bin die Antwort.


Text:naseweiß & mondgebraeunt -von Lizzy

Mittwoch, 18. Juni 2008

Wie der Samba erfunden wurde

Übrigens wurde der Samba von spanischen Gurkenexporteur Samba Olec erfunden.

Weil nämlich mal ein Gurkenfass gebrochen war, er im Gurkenwasser stand und ein extrem stromreicher Zitteraal im Fass versteckt wurde, weil in Spanien in den 1920ern wurden in Zitteraalen Drogen geschmuggelt
So bekam Samba Olec, der in Bolivien nur "Gurken-Olec" genannt wird, spasstische Anfälle und der Samba war geboren.

Und
als Reminiszenz dessen hat er auf jeder Seite seines Penisses einen AC/DC-Blitz tätowiert.


Das wurde gestern bei einer Unterhaltung der beiden Naseweiße herausgefunden. Metzger Loske --> Tanze Samba mit mir, daher.

Unqualifizierte Zwischenrufe von Lizzy:
1. ja yammi^^
2. du knallkopp^^

:)



Text:naseweiß & mondgebräunt - von Angelus; Photoscreen of the webcamchat © Lizzy & Angelus

Er spielte alle Blätter

Er spiele alle Blätter, das betonte er immer wieder. Egal ob beim Poker oder Skat, immer alle Blätter spielen, das war sein Motto. Niemals passen.
Man frug ihn schon gar nicht mehr nach 18, es fing bei ihm mit 2 an. Alles im Leben fing bei ihm bei 2 an.

„Im Französischen gibt es kein Wort für Sehnsucht“, daran musste er immer denken, besonders beim Skat. Sehnsucht war etwas typisch Deutsches. Das hatte er auf arte gesehen und der Off-Sprecherin zugestimmt.
Er war einmal Rennfahrer gewesen, mehr schlecht als recht. Ricardo Rosset-mäßig seie sein Fahrstil gewesen sagt er immer und lacht dabei.

Jetzt ist er Beikoch in einem Restaurant.
Er hat 3 Kinder, also eigentlich nur eines. Eines der drei Kinder ist mit 15 von zuhause ausgezogen, das andere liegt im Krankenhaus im Koma.
Es gab vor 4 Jahren einen Autounfall. Er selbst kam recht unverletzt davon. Nasse Fahrbahn, ein Geisterfahrer mit nur einem funktionierenden Scheinwerfer. Natürlich gab ihm niemand die Schuld, doch er spürte die Blicke. Er, der Rennfahrer…hätte doch schließlich ein besseres Reaktionsvermögen, hätte ausweichen können, ausweichen müssen. Er wich ja auch aus, nur nicht weit genug. Woher sollte er wissen, daß der andere zur selben Seite auswich?
Doch auch mit dem einen Kind, der Tochter, ist es nicht so, wie er sich das vorstellt. Sie rasiert sich den Kopf, raucht und trinkt. Er kennt ihre Freunde nicht, will sie auch gar nicht kennen. Er weiß nicht, was er machen soll. Geschlagen hat er sie nie, keines der Kinder, das würde er nicht übers Herz bringen, doch er weiß nicht, was er machen soll; es ist einfach eine andere Generation.
Einmal in der Woche trifft er sich mit Clyvia. Es ist kein Betrügen im normalen Sinne, es geht nicht um Sex. Natürlich haben sie Sex, doch das ist nicht das Entscheidende. Sie geben sich Nähe; die Art von Nähe, die sie zuhause nicht mehr bekamen, die nicht mehr möglich war, nach so vielen Jahren.
Das Heimliche, und daß sie sich nur einmal die Woche sehen, lässt es sich fast wie frisch-verliebt anfühlen.

Er glaubt, seine Frau weiß, was los ist; doch sie lässt ihn machen. Sie selbst hat auch ein Verhältnis, doch bei ihr geht es tatsächlich nur um Sex. Vielleicht ahnt er es. Ahnt, daß bei den Besuchen seiner Frau bei ihrer Schwester etwas nicht stimmt, doch sein Gefühl bei ihr ist seit längerem etwas abgestumpft und trüb. Und wenn beide ihre Liebschaften haben, wird die Ehe länger andauern können, oder was sie so Ehe nennen.

Das Alles war nicht das, was er sich vorstellte, als er in Spa seine Runden drehte. Doch als es anfing, als es anfing in Blanchimont im rechten Zeigefinger zu zittern, musste er aufhören mit seiner einzigen Leidenschaft. Er ging zum Rennarzt, der ihn nach Hause schickte, wo er sich seinen Beikoch-Job suchte und nun hin und wieder mit seinen alten Kollegen Karten spielt. Und er spielt alle Blätter, das betont er noch heute. Egal ob beim Poker oder Skat, immer alle Blätter spielen, das ist sein Motto. Niemals passen.



Text:naseweiß & mondgebräunt -von Angelus

Dienstag, 17. Juni 2008

Zitronengelb

Ein unangenehmes Gefühl nistet sich in mir ein, verdirbt mir die Laune, macht mich traurig. Ich würde erklären, warum, wenn ich es wüsste. Gründe genug gäbe es, doch diese sind so aktuell, wie der Schimmel auf dem Toastbrot vom letzten Monat. Im Grunde ist nichts geschehen, es ist rein gar nichts gewesen. Also kein Grund, um sich einmal mehr mies zu fühlen. Kleinigkeiten sind es. Kleinigkeiten, die in meinem Kopf auftauchen, einfach so, ohne Ankündigung.
Ich sehe mir ein Kleid an, zitronengelb. Ein dämliches Kleid, das mich zum Weinen bringt.
Und ich sehe sein Gesicht vor mir. Mein Großvater, auf dem alten Holzstuhl sitzend, mit seinen 52 Lebensjahren. Ein junger Mann für einen Großvater.Er greift zur Brieftasche, mich und meine Mutter zum Wagen dirigierend und fährt mit uns in die Stadt. Wenig später betreten wir diesen Laden. Kindermode. Mein Großvater reicht mir einige Sachen, die ich anprobieren soll. Ein paar Blusen, neue Sommerschuhe und ein zitronengelbes Kleid. Ich, eine 10 Jährige in einem zitronengelben Kleid. Ich war stolz, wie Oskar . Mein Großvater war ein harter Mann, Gefühle zeigte er so gut wie nie.
Er konnte nicht, wie ich später erkennen würde. Doch an diesem Tag, wurde mir klar, wie sehr er mich und meine Mutter liebte und das er dies damit zeigte. Ein einfaches, zitronengelbes Kleid, das mich zum Weinen bringt. Eine kleine Alltagsgeschichte dahinter. Doch eine, die mehr für mich beinhaltet, als Alltag. Ich erwähnte, das er Gefühle nicht zeigte? Er tat dies nie und ich spürte die Einsamkeit hinter dieser Geste. Seine Einsamkeit und die ganze Liebe dahinter, groß genug für die Welt, zu groß für 10 Lager zitronengelber Kleider. Und jetzt muss ich Weinen, weil mein zerbrechlicher Kopf eine Zeitreise macht. Jetzt werde ich sentimental. Schluß damit! Aufhören.
Doch es hört nie auf.

Ich vermisse meine Großeltern. Die kleinsten Kleinigkeiten, die meine Kindheit zusammenhalten.
Den Hüftschwung meines Großvaters, immer wenn der Rock'n Roll Sound aus der grossen Jukebox schallte. Das verschmitzte Grinsen bei den kleinen Sticheleien anderen Gegenüber. Eine Eigenschaft, die ich wohl geerbt habe. Ich vermisse das Lächeln meiner Großmutter, mit den wunderschönen, großen, blauen Augen und der eleganten Gestalt. Meine Großmutter, die mir immer das Liebste war. Sie trug diesen roten Lippenstift, wie die Monroe. Ich liebe diese Farbe. Ich benutze sie auch. Ihre seidigen Tücher und das weiche, hellblond wallende Haar. Ich vermisse ihre liebevolle, macnhmal melancholische Art, ihr Blick, wenn sie mich ansah. Ich wollte immer sein, wie sie. Und ich war stolz, wenn man mich mit ihr verglich. Ich erinnere mich an ihren Duft, ich glaube es war Chanel und ich erinnere mich an das grosse Bett mit der weichen Bettwäsche und den Daunenkissen an denen ihr Duft hängen geblieben war. Die Kissen, in denen ich schlief, wenn ich bei meinen Großeltern übernachtete.

Sie nannte mich Prinzessin, wenn ich ihre Tücher als Kleider trug, ihre Ohrklips anlegte und stolz, in roten Pumps durch die Wohnung stolzierte. Eine Prinzessin war ich für sie. Doch keiner erkannte, das ich keine Prinzessin sein wollte.In Wirklichkeit verkleidete ich mich als meine Großmutter, denn diese wollte ich sein. Dagegen sind Prinzessinen zweitklassig.

Ich vermisse ihre weiche Haut, ihre Hände, sie sanft mir das Haar aus dem Gesicht strichen. So viel Liebe. Immer und überall. Ich vermisse den grossen Garten, das Haus, ihre Stimmen und die vielen Geschichte, die in jedem Raum geschrieben standen. Es gab so viel zu entdecken. Es gab so viel zu erfahren. Über mich selbst, über das, was ich wirklich bin. Liebe.

Und der Geruch frischen Kaffees und Kuchen mit Anis.


Text:naseweiß & mondgebräunt -von Lizzy Malerei "Monroe":(c)HvidLiljer (Lizzy)

Wie Herr L. das Glück fand

(nach einer beinahe wahren Begebenheit)






Es war einer dieser schwülen Spätsommertage, an denen man nicht einmal liegen will. Das alte Thermometer schien diese 38 Grad voller Hohn und Quecksilber hinauszuposaunen.
Dieser Donnerstag war der Höhepunkt einer der langweiligsten Wochen der letzten Monate. Von oben musste es wie ein strahlenverseuchtes Gebiet ausgesehen haben, überall lagen leblos Menschen; selbst die Kinder regten sich kaum. Doch manche konnten es sich nicht aussuchen. Polizisten, Feuerwehrmänner und –frauen, Politiker (nun gut…) und Verkäufer/innen. Eine dieser Verkäuferinnen war unsere Lizzy. Sie war Buchhändlerin in einem recht kleinen, um es mal optimistisch klingen zu lassen: rustikalem Buchladen.

Die veraltete Klimaanlage war hoffnungslos überfordert und Lizzy sah nur hin und wieder hoch, wenn es ein Geräusch gab. Doch es kam nicht einmal der Lieferant. Normalerweise ging Sie durch die Reihen und strich mit dem Zeigefinger über die Buchrücken und griff sich hin und wieder ein Exemplar. Meist von früheren Dichtern oder alte Kinderbücher, am liebsten aus Skandinavien. Doch heute nicht.
Sie saß einfach auf ihrem kippligem Stuhl und versuchte den größtmöglichen Schatten zu erwischen. Sie schaute sehnsuchtsvoll aus dem Geschäft, vorbei an den vor Mainstream triefenden Schaufensterbüchern, vorbei an der Dekoration, hinaus zum Horizont. Sie sehnte sich nach ihren fernen Ländern; Dänemark, Schweden, Grönland und vor allem Island, ach, dieses Island… Trotz des Schattens glänzte ihre helle Stirn vom Schweiß. Ihre dünne Kleidung klebte an ihrem wunderschönen Körper. Ihr Körper, was könnte man darüber sagen, was nicht schon gesagt worden ist? Welche Formulierung wäre neu? Schließen sie einfach die Augen, stellen sich die schönste Frau vor, die sie kennen und nehmen das mal zwei! Das kommt noch am ehesten hin… Lange, eher rote Haare, knapp über 1,70 und sehr weiche Züge.

Hin und wieder spielte Sie mit ihren Haaren und stellte sich vor, daß Sie auf einer Klippe säße und das der Wind sei; dachte an vergangene Zeiten und vergängliche Lieben.
Die Türglocke riss Sie aus ihren Träumen. Eine Reklamation, und ausgerechnet dafür musste Sie nun von dieser Klippe springen. Doch danach hatte der Laden zur Mittagspause geschlossen. Sie machte dicht, steckte sich den Schlüssel in ihre Rocktasche und ging nach Hause; für offiziell 2 Stunden, aber da sie heute eh alleine war und niemand kam, konnte Sie auch eine halbe Stunde dranhängen. Zuhause angekommen, warf Sie sich auf ihr Bett und schaute für einige Minuten auf die Decke und schlief ein, ohne das gewollt zu haben. Plötzlich überkam Sie ein Hungergefühl und sie wachte auf. Nicht richtig Hunger, Sie wollte etwas beißen. Doch der Kühlschrank bot weder Kälte, noch Essen. Mit einem leisen „NEIN!“ fiel ihr Kopf leise auf die rote Kühlschranktür. Genau auf eine Zeichnung, die Sie mit Edding dorthin gezeichnet hat. Durch den Schweiß auf ihrer Stirn kam sie sehr verschwommen auch genau dort hin; was Sie aber nicht bemerkte.

Genervt über den Weg, in dieser Hitze, schleppte Sie sich zum nächsten Supermarkt, dem schlecht sortierten „Neukauf“ in der Bahnhofsstraße. Zwei Mischlingshunde bellten sich davor an und man hatte nicht einmal die Lust, sich darüber aufzuregen. Langsam, aber doch anmutig schwang Sie sich durch das Drehkreuz. Vorbei am Gemüse, vorbei am Brot und Kuchen ging es zu den Kaltgetränken. Danach zu den Fertigessen, die ihr so gar nicht zusagten. Ein Smørrebrød mit Schillerlocke, darauf hatte Sie wirklich Lust, aber woher kriegen, hier? Dann überlegte Sie sich, Hackepeterbrötchen zu machen; also diesen kaufen. Sie ging mit ihrer Cola durch die leeren Gänge in Richtung Fleischtheke und blickte auf den Boden, weil ihre Schuhe fast festklebten auf ihm. Da merkte Sie, daß Sie schon angekommen war.
Sie blickte auf und zeitgleich auch die Person hinter dem Tresen; ihre Blicke trafen sich. Er, Mitte zwanzig, kurze, dunkle Haare, leuchtend grüne Augen, stand mit dem Beil in der Hand ganz still da und vergaß das Fleisch zu teilen. Sie, immer noch wunderschön, immer noch mit dem verschwommenem Kühlschrankbild auf der Stirn konnte sich auch nicht mehr bewegen. So standen sie bestimmt eine halbe Minute da, eher der Fleischer sich aus seiner Lethargie reißen konnte. Dadurch konnte auch Sie sich wieder daran erinnern wo Sie war. Sie sah sich diesen Kerl genauer an. Diesem wilden ungestutzten 3-Tage-Bart hätte Sie vielleicht noch widerstehen könnten, aber Sie sah mehr. Sie sah, wie er unter seinem Kettenhemd nackt war. Diese verschwitzte, behaarte Männerbrust war einfach zuviel für Sie und Sie stand schon wieder völlig regungslos da.

„Hi, was möchtest Du“? – „Äh…ähm, so Zeugs, rot, lose.“ – „Würstchen“ – „Nein, ich glaube nicht…“. – „Hackepeter“? – „Ja, ich glaub´ das war´s.“ – „Wieviel“? – „So ein halbes Kilo“ sagte Sie völlig verlegen zu ihm.
Er wog genau 500g für Sie ab und verpackte es, dabei schaute er ständig zu ihr. Dann legte er das Paket auf den Tresen und sagte: „Du hast da was im Gesicht“. Sie wischte sich mit der linken, freien Hand über die Wangen und über die Lippen. „Nein, da nicht; komm´ mal her“!
Sie ging zu ihm und mit jedem Schritt spürte Sie, wie ihr Herz schneller schlug, wie Sie immer nervöser wurde, wie ihr immer heißer wurde. Sie stand neben dem Tresen, genau vor ihm. Mit der Cola in der rechten und dem Fleisch in der linken Hand war sie ihm schutzlos ausgeliefert. Er nahm eine Serviette und strich ihr damit zweimal über die Stirn; „alles weg“. Von ihr kam nur ein schüchtern zärtlich gehauchtes „danke“.
Sie wollte sich schon wieder umdrehen, doch er ging einen Schritt nach vorne, legte seinen Arm um ihre Hüften und drückte seine Lippen auf die ihren. In ihrem Gesicht machte sich Verblüffung breit, doch dann schloss Sie die Augen und genoss es. Sie traute sich nicht, auch ihren Arm um ihn zu legen, ihr Kopf nahm als Ausrede die Einkäufe, ihr Herz ärgerte sich unendlich. Sie roch seinen Schweiß, der in ihre Nase stieg und konnte über die Betörung nun überhaupt nicht mehr klar denken. Er hörte ihren schnellen Atem und roch auch Sie.

Sie waren total im Moment versunken, als sie ein, für sie lautes, Geräusch hörten. Ihr Geschäftsschlüssel war aus ihrer Tasche gefallen; dieses verdammte Loch wollte Sie schon lange schließen.
„Ich muß los“ kam nur von ihr und Sie ging schnellen Schrittes weg, ohne sich noch einmal umgedreht zu haben.
Sie war schon bei der Körperpflege, als ihr einfiel, daß Sie nicht einmal wußte, wie er hieß. Sie überlegte, was Sie machen sollte, drehte um und schlich sich vorsichtig zurück; „er soll mich bloß nicht sehen, wie peinlich“. Sie blickte durch das Schokoladenregal und konnte mit Mühe sein Namensschild lesen „Herr L-“. „L-, was für ein Name“ dachte Sie sich, ging zur Kasse, wo eine gelangweilte, äußerst schlecht geschminkte, Kassiererin Sie beiläufig bediente, während sie in einem Groschenroman las.
Verträumt lief Sie den Weg zurück nach Hause, trank ihre Cola, vergaß glatt ihren Hunger und ging wieder zurück in den Laden, wo schon 2 Kunden vor der Tür leicht verärgert warteten.
Als beide bedient waren, sah Sie wieder aus dem Schaufenster, träumte und sah sich wieder auf der Klippe, doch diesmal saß Sie mit ihm da…

Text:naseweiß &mondgebräunt - von Angelus für Lizzy; Photo: © Angelus (Secretgardener)
Song:Toni Holiday - Tanze Samba mit mir (Der Song lief damals an der Fleischtheke) & Rainald Grebe - Tak und Kak
Gelesen von Lizzy.

(No) time for happy endings

Ich wusste einfach nicht, was ich tun oder sagen sollte. Nein, eigentlich wusste ich was ich tun sollte, doch es ging nicht. Und es geht schon lange nicht mehr. Ich sehe Dich an und versuche mich krampfhaft zu erinnern, doch das macht alles noch viel schlimmer. Ich stehe neben mir, frage mich Dinge, die ich mich vor einem halben Jahr noch nicht gefragt hätte. Fragen, die beantwortet werden wollen, ob ich nun die Antwort kenne oder nicht. Es ist den Fragen egal.
Sie fragen mich, ob ich alles richtig mache oder ob ich wirklich etwas empfinde. Wo ist meine Euphorie geblieben? Oder:

Ist das nun Liebe? Oder: Ist es Gewohnheit? Woher soll ich wissen, ob mir mein Kopf nicht alles nur vorgaukelt, so, wie es schon oft
der Fall gewesen ist? Ich denke über all dies nach und merke doch, das du mir wichtig bist. Ja, ich kann mir noch nicht einmal vorstellen,
das du eines Tages vielleicht nicht mehr da sein könntest. Ich spüre, das ich dich brauche und ich spüre, daß sich Deine Nähe gut anfühlt.
Doch ich spüre auch die Wut und die Verzweiflung und Unzufriedenheit in mir, die mich so oft dazu bringt, alles über den Haufen zu werfen
oder Dir weh zu tun, obwohl ich das nicht möchte. Ich würde dich gerne anschreien, mit Dir streiten. Ein richtiger Streit, mit Vorwürfen
und fliegenden Tellern. Doch mir ist das Streiten vergangen, genauso, wie das Lachen.
Ich sieh dich einfach nur an, wenn ich überhaupt hinsehe
und versuche mich auf Dich zu konzentrieren. Doch mein Blick ist gleichgültig, leer, vielleicht sogar kalt und meine Gedanken konzentrieren sich
auf nichtige Dinge, wie z.B. das Theaterprogramm. Dinge, die mein Kopf abruft, ohne sich meine Einwilligung geholt
zu haben.

Dinge, die einfach auftauchen und mir den Ernst der Lage vernebeln. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren und wenn es mir doch
gelingen sollte, werde ich so unglaublich wütend. Wütend, auf Alles und Nichts und am Ende doch viel mehr auf mich selbst, und den Schmerz, den
ich verspüre, wenn ich die Verzweiflung in Deinem Blick entdecke.
Ich weiß, das ich feige bin, das ich Angst habe, überrant zu werden. Überrant
von der gewaltigen Kraft Deiner Gefühle, von der gewaltigen Kraft von Gefühlen generell. Gefühle zwingen mich Entscheidungen
entweder zu treffen oder über den Haufen zu werfen. Sie fordern Veränderung. Und Veränderungen machen mir Angst.
Und wenn du so vor mir stehst und mich
ansiehst, mit Deinen Blicken, die so durchdringend sind, dann wünschte ich mir oft, Du würdest mich einfach anschreien, mich ohrfeigen, so wie es der Schwachsinn
in meinem Kopf verlangt. Doch du tust es nicht. Denn auch Dir ist das Streiten vergangen. Nichteinmal einen kalten Blick hast Du noch für mich über.
Und dann beginnst Du zu weinen. Träne um Träne, und ich spüre, wie es mich zerreist. Ich spüre die ganze
Wucht Deiner Gefühle, wie aus dem Lauf einer Pistole, mit der Du ein ganzes Magazin von Tränen auf mich abschiesst, als wären sie Patronen. Und mit der
Letzten dann, zielst Du direkt auf meine Brust und ich spüre den Schmerz, als sie mein Herz trifft.

'Weinend stehst du vor mir,
aufgelöst,
wie eine Aspirin,
die nach meinen Lippen
schreit

Wie viele Liebesperlen
muß ich noch schlucken,
um endlich das Glück zu
schmecken?!

Und dann wird mir schwindlig
von den Wasserfarben
die mir aus den Augen laufen
für den Regen
bogen
unserer Lippen...'


Text:naseweiß & mondgebräunt - von Lizzy

Heavens Palace

Ich weiß bis heute nicht, was ich mir dabei gedacht habe, dich zu treffen. Vermutlich dachte ich einfach nicht. Beinahe zwei Jahre ist das nun her. Ich war in festen Händen. Eigentlich war sogar alles einigermaßen okay, bis auf die zum Schluß hin doch nervtötenden Streitereien und- das ich genau zu diesem Zeitpunkt auf die Idee kommen musste, mich bei einem Wildfremden auszuheulen- Dich. Ich wusste es nicht, das das nun wirklich das Aus für meine Beziehung bedeutete. Nein, irgendwie stimmt das nicht, ich wusste es insgeheim wohl, der Unterschied war nur- mir war das plötzlich vollkommen egal. Im Nachhinein gibt es daran nichts mehr zu bezweifeln- es war Zeit zu gehen und ich war noch nichteinmal traurig darüber. Vorerst aber rief ich Dich kurzfristig und spontan an, um Dir mitzuteilen, das es Zeit wird, mich besuchen zu kommen- Jetzt, und auf der Stelle- ansonsten gäbe es keine Garantie darauf, das ich meinen Abenteuergeist nicht genauso schnell verlieren würde, wie er gekommen war. Es ging überraschend schnell, ich rief dich an und eine halbe Stunde darauf hast Du in einem Zug Richtung "Heavens' Palace" gesessen, über 400km entfernt, im siebten Stockwerk sozusagen. Ich konnte nicht fassen was ich da gerade eben beschlossen hatte, also vergaß ich die "Fassung" ganz schnell wieder, meine Geduld war strapaziert genug gewesen. Du hattest mit Mühe den letzten Zug diesen Tages erwischt und kamst erst spät gegen 00:30 am Bahnhof an. Natürlich nicht direkt hier, das wäre wohl auch zu gutgläubig gewesen, hier nicht hätte gesehen werden zu können. Ich stand mit meinem Wagen am Bahnhof und wartete, vollkommen überfordert, vollkommen müde, vollkommen fassungslos, mit ein wenig Reue, bis zu dem Zeitpunkt, als Du an das Fenster klopftest. Ich hatte Dich nicht kommen sehen. Und nun standst Du dort, vor meinem Fenster, einen Zettel in den Händen, mit einer Aufschrift, die mich zum Lachen brachte. Ich weiß nicht mehr, was es gewesen war, ich war einfach total durch den Wind. Du stiegst in das Auto, sahst mich an und sagtest "Du bist wunderschön". Ich küsste Dich haltlos, von nun an war mir endgültig alles egal. Wer nicht wagt..... Und ich wollte endlich einmal tun, wonach mir war. Wir fuhren Richtung Strand. Dort verbrachten wir unsere erste gemeinsame Nacht. Wie viele Möglichkeiten das bot, hätte ich nicht zu träumen gewagt. "Salz auf unserer Haut". Wie in dem Roman. Uns blieben 16 Stunden. Die längsten, anstrengendsten und verwirrendsten 16 Stunden in einem Leben. Und mit Sicherheit die Einzigartigsten. Und Willkommesten. Ich entdeckte mich von Neuem. Und ich entdeckte Dich. Das salzige Wasser auf Deiner Haut, der Sand unter meinen nackten Füßen. Und dann kam der Abschied. Zurück in ein Leben, das nicht mehr meins zu sein schien. Und ich hatte Recht.

Alles Schöne geht wahnsinnig schnell vorbei. Vielleicht wird es nur anders. Aber reicht mir das?
Ich schmecke das Salz noch immer, ich muss mich nur erinnern.



Text: naseweiß & mondgebräunt - von Lizzy; Photo: © Lizzy (HvidLiljer)